Logo editorial„Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht.“
(Abraham Lincoln)

Die Ereignisse der letzten Tage, Monaten (und Jahren) lassen einem nachdenklich werden. Was ist los in Deutschland? Nutzen die Politik- und Wirtschaftsmächtigen ihre Machtstellung immer mehr aus? Und der kleine Mann, sprich der Otto-Normal-Steuerzahler, ist dabei der Dumme?

Leben wir wirklich mittlerweile in einer Bananenrepublik Deutschland – wie das Magazin „DER SPIEGEL“ in den frühen 1980er Jahren die Abkürzung BRD verwendete, als einer der größten Skandale um einen Unternehmer und sein Imperium und seine Machenschaften bekannt geworden waren? Schon damals ging es um illegale Parteispenden, übrigens parteienübergreifend im Gießkannenprinzip verteilt, mit denen der betreffende Unternehmer Einfluss auf politische Entscheidungen nahm, nämlich – wohl unberechtigt – Steuererleichterungen in fast vierstelliger Millionenhöhe zugesprochen bekam.
Dass Parteien und/oder deren Kandidaten Spenden für ihren Wahlkampf sammeln, ist nicht verwerflich, wenn sie jedoch dann ihre Macht ausnutzen und den „edlen“ Spender, in welcher Art auch immer, begünstigen, schon. Und gleich erhält der Ausspruch von Lincoln „Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht.“ seine Berechtigung. Charakter ist eine menschliche Eigenschaft, ein moralisch relevantes Merkmal. Einen starken Charakter zu haben, ist aus psychologischer Sicht positiv, solange man ihn nicht negativ einsetzt, um unrechtmäßige Vorteile, wie auch immer geartet, zu erhalten.
Die Liste derer, die sich in Machtpositionen mit dubiosen Geschäftspraktiken in Politik und Wirtschaft unrechtmäßige Vorteile schafften oder schaffen, ist beliebig lang. Dabei ist es unerheblich von der Größe des Unternehmens, der Behörde oder der öffentlich-rechtlichen Körperschaft. Von einer kleinen Gemeindeverwaltung oder einer kleinen Behörde bis zu Ministerien, immer wieder werden Fälle von Korruption und Machtmissbrauch aufgedeckt. Den Gipfel der Frechheit haben sich aber im Fall der Dieselmotoren die deutschen Autobauer erlaubt. Nicht nur, dass sie den Verbraucher getäuscht und betrogen haben, wobei die sogenannten Kontrollbehörden sowieso wahrscheinlich großzügig darüber hinweggesehen haben, sondern dass die Chefs der Autokonzerne jetzt ohne jegliches Schuldbewusstsein auftreten, ohne jegliche Scham kungeln nun Kartellaufsicht, Aufsichtsbehörden und Regierung weiter mit diesen Personen. Die Rechnung bezahlt auf jeden Fall der Bürger, sei es als Verbraucher, als Steuerzahler oder als Arbeitnehmer, dem dann einfach gekündigt wird, weil ja durch das Fehlverhalten der Konzernführungen die Unternehmen in finanzielle Schieflage gekommen sind.
Zu diesem Thema passen auch Bankmanager, die hohe Boni kassiert haben (und wahrscheinlich immer noch kassieren), obwohl die Regierung, sprich der Steuerzahler, ihr abgewirtschaftetes Institut mit immensen finanziellen Aufwand retten musste.
Wie besagt der Volksmund: „Wer hoch steigt, kann tief fallen.“ Bertolt Brechts Gedanken sind noch treffender: „Das große Karthago führte drei Kriege. Nach dem ersten war es noch mächtig. Nach dem zweiten war es noch bewohnbar. Nach dem dritten war es nicht mehr zu finden.“
Für mich schlussfolgernd bedeutet dies, dass jede/r noch so Groß-, aber auch Klein-„Mächtige“ mit „Leichen im Keller“ irgendwann seinen Meister findet, und sei es „nur“ ein hartnäckiger, investigativer Journalist, der sich in seinen Recherchen in Terrier-Manier festbeißt, wie im Fall des eingangs erwähnten Großindustriellen, und den charakterlosen, vermeintlich Mächtigen die Macht nimmt.
Trotz aller Negativ-Schlagzeilen, die uns wohl alle noch im August und wahrscheinlich auch noch in den folgenden Monaten beschäftigen werden, wünsche ich Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, einen erholsamen Urlaubsmonat mit vielen erfreulichen Momenten und kraft- und energiespendenden Mußestunden.
Ihr
Herausgeber