Logo editorialAm 1. April schickt man die Narren wohin man will. (Deutsches Sprichwort)

Aufgepasst! Am 1. April ist es wieder so weit: Länderübergreifend hat sich der Brauch etabliert, Mitmenschen mit meist lustigen, aber auch teilweise derben Scherzen in den April zu schicken. Selbst seriöse Medien verbreiten an diesem Tag Nachrichten, die zwar einen Unterhaltungswert haben, aber schlichtweg erfunden sind.

Woher dieser Brauch kommt, ist in der Literatur umstritten. Mehrere Theorien dazu gibt es. Die sinnvollste Erklärung für die Unsitte des „In-den-April-schicken“ ist wahrscheinlich in Frankreich zu finden. Mitte des 16. Jahrhunderts feierte man den Neujahrstag, an dem man andere mit Geschenken beglückte, immer noch am 1. April. Doch Karl IX. verlegte kurzerhand im Jahr 1564 den Neujahrstag fortan auf den 1. Januar, wo er in vielen anderen Ländern bereits begangen wurde. In Ermangelung von modernen Kommunikationstechniken verbreitete sich die Verlegung des Neujahrstages nur langsam. Diejenigen, die im „Tal der Ahnungslosen“ lebten, warteten dann am 1. April vergeblich auf ihre Geschenke zum Neujahrstag und diejenigen, die Bescheid wussten, foppten die Unwissenden und hielten sie damit zum Narren. Hieraus entwickelte sich dann das Sprichwort „Am 1. April schickt man die Narren wohin man will.“.
Also seien Sie, liebe Leserin, lieber Leser, auf der Hut, wenn sie von einem lieben Mitmenschen just am 1. April beispielsweise gebeten werden, das Medikament „Ibidum“ für ihn in einer Apotheke zu besorgen. Sie ahnen es bereits? Dieses Medikament gibt es nicht; es leitet sich vom Hinweis „Ich bin dumm.“ ab. Und erschrecken Sie nicht, wenn sie am 1. April von der Arbeit nach Hause fahren und am Eingang ihres Heimatortes das Schild einer anderen Nachbargemeinde zu sehen ist. Anfang des Jahres 2000 haben Scherzbolde nämlich im Raum Regensburg mehrere Ortsschilder vertauscht und damit für allgemeine Verwirrung gesorgt, die sogar die Polizei beschäftigte.
Und Erich Kästner stellte fest, dass auch der Mond offensichtlich nicht vor April-Scherzen gefeit ist:
„Der Mond in seiner goldenen Jacke
versteckt sich hinter dem Wolken-Store.
Der Ärmste hat links eine dicke Backe
und kommt sich ein bisschen lächerlich vor.
Auch diesmal ist es dem März geglückt:
Er hat ihn in den April geschickt.“
Sollten Sie aber selbst jemanden in den April schicken wollen, seien Sie gnädig, denn „Wer anderen eine Grube gräbt, ...“.
Auch wenn der April mit seinen Wetterkapriolen macht was er will, so wünsche ich Ihnen dennoch eine gute Zeit im Frühlingsmonat und ein schönes Osterfest.
Ihr Herausgeber