Schlaganfallsfaktoren kennen und das Risiko aktiv senken

Dr. Peter Grein, Chefarzt Neurologie mit zertifizierter Stroke Unit an der Ilmtalklinik Pfaffenhofen und Regionalbeauftragter der Deutschen Schlaganfallhilfe (Foto: Ilmtal-Klinik)Dr. Peter Grein, Chefarzt Neurologie mit zertifizierter Stroke Unit an der Ilmtalklinik Pfaffenhofen und Regionalbeauftragter der Deutschen Schlaganfallhilfe (Foto: Ilmtal-Klinik)
Im Mai ist Tag des Schlaganfalls. Anlässlich des Tages möchte Dr. Peter Grein, Chefarzt Neurologie mit zertifizierter Stroke Unit an der Ilmtalklinik Pfaffenhofen und Regionalbeauftragter der Deutschen Schlaganfallhilfe auf diese wichtige Erkrankung und deren Risikofaktoren aufmerksam machen. Wir haben mit Ihm ein kurzes Interview geführt.
Herr Dr. Grein, was ist ein Schlaganfall?
Dr. Grein: Der Begriff Schlaganfall bezeichnet einen "schlagartig" auftretenden Ausfall von Gehirnfunktionen. Schlaganfall ist der Oberbegriff für eine akute Schädigung von Bereichen im Gehirn, die entweder infolge eines Gefäßverschlusses (Hirninfarkt, ca. 85% aller Schlaganfälle), oder durch eine Einblutung in das Gehirn durch einen Gefäßeinriß (Hirnblutung, ca. 15 % aller Schlaganfälle) entsteht. Schlaganfälle sind sehr häufig! Mit 270.000 Schlaganfällen pro Jahr ist der Schlaganfall eine echte Volkskrankheit. Der Schlaganfall führt bei 64% der Überlebenden zu bleibenden Behinderungen und stellt damit bei Erwachsenen die häufigste zur Pflegebedürftigkeit führende Erkrankung dar.
 
Wie macht sich ein Schlaganfall bemerkbar?
Dr. Grein: Das ist eine sehr gute Frage, denn die Symptome eines Schlaganfalles muss unbedingt jeder kennen:
 
  • plötzliches Gefühl der Schwäche, Lähmung oder Taubheit auf einer Körperseite
  • Sehstörungen wie halbseitiger Ausfall des Gesichtsfelds, Doppelbilder, verschwommenes Sehen oder Sehverlust auf einem Auge
  • Störungen beim Sprechen oder des Sprachverständnisses
  • plötzlicher Schwindel mit Gangunsicherheit
  • starke Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen
  • Bewusstseinsstörungen
Treten diese Symptome auf, ist es ganz wichtig, sofort zu handeln und sofort den Notarzt zu verständigen! Keinesfalls sollte man abwarten, ob sich die Symptome zurückbilden. Selbst wenn das der Fall sein sollte, ist es wichtig, sich sofort über den Notarzt an die nächstgelegene Klinik mit Stroke Unit zu wenden. Also – warten Sie nicht ab - rufen Sie die Nummer 112 an. Ein Schlaganfall ist ein Notfall!
 
Ein Schlaganfall trifft aber nur sehr alte Menschen, oder?
Dr. Grein: 80% aller Schlaganfälle betreffen Menschen über 60 Jahren, aber grundsätzlich kann ein Schlaganfall in jedem Lebensalter auftreten, vom Säugling bis zum hochbetagten Menschen. Umso länger und umso mehr Risikofaktoren bestehen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für einen Schlaganfall. Viele Menschen sammeln im Laufe Ihres Lebens eine ganze Reihe an Risikofaktoren an. Dabei spielt das Alter leider eine sehr große Rolle und das kann man leider nicht beeinflussen.
 
Welche wichtigen Risikofaktoren für den Schlaganfall gibt es sonst noch?

Dr. Grein: Außer dem Lebensalter, dem Geschlecht (Männer haben ein höheres Risiko) und der Erbanlagen kann jeder sein Schlaganfallrisiko aktiv ganz erheblich beeinflussen!

Die wichtigsten Risikofaktoren, die man selber verbessern kann sind:

Bluthochdruck, Bewegungsmangel, Zuckerkrankheit, Stress, Cholesterin, Alkohol; Rauchen, Übergewicht, Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern). Einige dieser Risikofaktoren führen durch chronische Schädigung der Gefäßwände zu Ablagerungen (Arteriosklerose und Einengung der Halsschlagadern).
Durch eine optimale Behandlung der Risikofaktoren könnten statistisch 70% aller Schlaganfälle vermieden werden. Aber jeder Schritt zur Verbesserung des Risikos ist schon viel wert!
Das Motto des diesjährigen Tages gegen den Schlaganfall ist ja das Cholesterin. Was hat es damit auf sich?
Das Cholesterin gehört zu den Blutfetten. Diese sind wichtig für viele Körperfunktionen und schützen das Herz und das Gefäßsystem normalerweise. Dabei ist es aber wichtig, dass bestimmte Werte eingehalten werden. Zu hohe Werte oder ungünstige Verhältnisse sind Risikofaktoren für Schlaganfall und Herzinfarkt.
Man unterscheidet dabei das „gute“ („HDL-) vom „bösen“(LDL-) Cholesterin. Ist letzteres dauerhaft erhöht, lagert es sich in den Gefäßwänden ab und führt zur Arteriosklerose, zur Gefäßverengung und somit durch Verstopfen von Blutgefäßen zum Schlaganfall Wie so viele Risikofaktoren bemerkt man einen zu hohen Cholesterinspiegel normalerweise nicht. Wenn auf Dauer eine erhöhte Menge an LDL-Cholesterin im Blut zirkuliert, lagert es sich an unseren Gefäßwänden ab. Diesen Vorgang nenn man auch Arteriosklerose (Arterienverkalkung). Das Gefäß wird dadurch mehr und mehr verengt, bis es zu einem Gefäßverschluss kommt. Dadurch können Teile des Gehirns nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden und es kommt zu einem Schlaganfall. Das „böse“ Cholesterin führt also dauerhaft zu einer Gefäßschädigung, die sich im schlimmsten Fall erstmals plötzlich mit einem dramatischen Schlaganfall zeigt.
 
Wenn man sich gesund ernährt und regelmäßig Sport treibt, braucht man sich um Blutfettwerte doch keine Gedanken machen, oder?
Dr. Grein: Mehr als die Hälfte aller Menschen haben einen erhöhten Gesamtcholesterinwert. Die meisten wissen davon gar nichts.
Richtig ist, dass gesunde Ernährung, der Verzicht auf Alkohol, Nikotinabstinenz und regelmäßige Bewegung gut für den Cholesterinspiegel sind. Aber die Neigung zu ungünstigen Blutfettwerten wird oft vererbt. Auch wenn mit gesunder Ernährung viel erreicht werden kann, sind zur Risikokontrolle manchmal Medikamente erforderlich. Viele Menschen kennen ihre Blutfettwerte gar nicht, fühlen sich gesund und fit und sind völlig überrascht wenn bei einem Test schlechte Blutfettwerte entdeckt werden. Manchmal sind diese auch Folge einer anderen chronischen und behandlungsbedürftigen Erkrankung wie Diabetes oder Schilddrüsenerkrankungen.
Man sollte sich also testen lassen, Risikochecks werden von den Hausärzten angeboten und sogar regelmäßig von der Krankenkasse bezahlt. Die Bestimmung der Cholesterinwerte wird aber sogar von vielen Apotheken angeboten.
Nur wenn man seine Werte kennt, kann man diese verbessern und damit das Risiko für sehr viele Herz-Kreislauferkrankungen und den Schlaganfall senken.
 
Herr Dr. Grein, Danke für das Gespräch.
 
Weitere Informationen:
 
 
Dr. phil. Harald Heckl
Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Ilmtalklinik GmbH
Krankenhausstr. 70 | 85276 Pfaffenhofen
Tel. 08441 79-1015
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