Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen

Bad Abbacher Kurier

AKTUELL KRITISCH NEUTRAL UNVERWECHSELBAR

... einen falschen Kommissar, einen echten Botschafter und einen elfmeterschießenden Torwart

„Fußball ist unser Leben, denn König Fußball regiert die Welt.“ Fußball ist unser Leben! In der Tat konnten dies die Funktionäre von UEFA und FIFA behaupten, die sich ihr luxuriöses Leben und ihren aufwendigen Lebenswandel durch Korruption und Geschäftemacherei finanzierten. Aufgedeckte Skandale über Skandale bestimmten die Schlagzeilen der Presserzeugnisse und der Tele-Nachrichten, monate-, ja jahrelang. Doch der Deutschen liebstes „Sport“-Kind ist und bleibt der Fußball, trotz allem. Auch ich gehöre schon seit fast 50 Jahren zur Fußball-Community und fiebere vom Sofa aus mit, wenn mein Lieblingsverein oder die A-Nationalmannschaft auf dem Rasen antritt. Schön dumm, wird der eine oder andere jetzt denken, doch: Einmal Fußballfan, immer Fußballfan! Mein schlechtes Gewissen, das ich wegen der Verfehlungen der Funktionäre selbstverständlich habe, beruhige ich mit gutem Zureden: Die Spieler können doch nichts dafür ...


Also, gemäß dem Motto „einmal Fan, immer Fan“ und weil es für einen karitativen Zweck ausgetragen wird – auch das trägt zur Beruhigung meines schlechten Gewissens bei – freute ich mich schon Tage vorher auf das Benefiz-Fußballturnier des VKKK, des Vereins zur Förderung kranker und körperbehinderter Kinder Ostbayern e. V., in Regensburg. Liebes Gewissen, so eine gute Sache muss man doch unterstützen! Und ehrlich gesagt, bewog mich auch ein anderer Grund dazu, das Turnier zu besuchen: Im vorigen Jahr durfte ich zwar ein paar prominente Mitspieler des Teams „Kommissare“ kennenlernen, die Schauspieler Alexander Held, Walter Sittler, Jürgen Tonkel und Denis Moschitto, doch der „Chef det Janzen“, der Schauspieler und Regisseur Marcus Mittermeier, war entweder als Kicker auf dem Platz oder mit organisatorischen Arbeiten so beschäftigt, dass er mir immer wieder auskam. Aber dieses Jahr sollte es mit einem Gespräch klappen.
Also, rein in die Stadt, rauf auf das Sportgelände und zugleich „stolperte“ ich über zwei „alte“ Bekannte. Jürgen Tonkel, zum zweiten Mal im Team der Kommissare, und Udo Wachtveitl, mit dem ich vor Jahren bei seinem Besuch in Bad Abbach wegen der BR-Dokumentation „Das bayerische Jahrtausend“, in der er für die Zuschauer auf Spurensuche ging, ein überaus interessantes und kurzweiliges Gespräch führen durfte, fachsimpelten am Rande des Spielfeldes und leckten ihre Wunden: „Wir haben hervorragend gespielt und hervorragend verloren.“ Wir begrüßten uns und ich wollte gerade nach dem Team-Chef Marcus Mittermeier, dem „falschen Kommissar“, fragen, als dieser sich schon zu unserer kleinen Gruppe gesellte und dieses Mal hatte er tatsächlich Zeit für eine Unterhaltung.

brandl2
Da ich nicht nur Fußballfan, sondern auch eine eingefleischte Krimi-Liebhaberin bin, freute ich mich, endlich den Protagonisten von „München Mord“ und „Der Staatsanwalt“ persönlich kennenzulernen. Doch um die Schauspielerei ging es in unserem Gespräch gar nicht, sondern um sein Engagement für kranke und körperbehinderte Kinder. Mittlerweile ist Marcus Mittermeier VKKK-Vorstandsmitglied und setzt sich in seiner knappbemessenen Freizeit für diese Kinder und deren Eltern mit viel Empathie ein. Es ist ihm eine Herzensangelegenheit, zu helfen. Und dies nimmt man dem überaus sympathischen Schauspieler ohne Starallüren auch ab. Er erzählte von „seinem Kind“, dem Benefiz-Fußballturnier, das er zwar sehr zeitaufwendig, aber auch mit großer Freude organisiert. Doch er stellt sich nie in den Vordergrund, sondern lässt auch seine Kollegen nicht unerwähnt, die wissen, wenn er bei ihnen durchklingelt, heißt es nicht „Bei Anruf Mord“, sondern „Bei Anruf kicken“. Und alle sagen dankenswerterweise zu, so Marcus Mittermeier, es sei denn, sie hätten wegen eines Engagements wirklich keine Zeit. Dann wird auch ihm die Zeit knapp, denn es steht ein Elfmeterschießen zur Entscheidung eines Spiels an und da wird er benötigt. Doch bevor er sich verabschiedet und dafür dankt, dass im „Bad Abbacher Kurier“ das Benefiz-Turnier angekündigt worden war, blitzt bei ihm die Professionalität der schauspielenden Zunft, trotz Zeitnot, durch: „Eits mach‘ mer no a Foto.“, und eilt danach davon.

brandl1
Junioren- bis zu Altherren-Mannschaften kämpften derweil um das runde Leder, ganz spannende Spiele mussten mit Elfmeterschießen entschieden werden. In einer Pause zwischen zwei Spielen blicke ich mich um und erblicke auf der Besuchertribüne ein bekanntes Gesicht. Natürlich kenne ich als Fußballfan Hans Dorfner, zumal der Ex-Mittelfeldspieler zweimal, einmal von 1983-1984 und einmal von 1986-1990, bei meinem Lieblingsverein gespielt und auch in der A-Nationalmannschaft für Deutschland Tore geschossen hat. Ich fragte den heutigen Betreiber einer Fußballschule in Regensburg, ob ich kurz stören darf. Spontan war Hans Dorfner zu einem Gespräch bereit.

brandl3

Ich wusste, dass er Trikots und Ausrüstung für das Benefiz-Turnier zur Verfügung gestellt hatte und sprach ihn auf das Sponsoring an. Zuerst war es ihm ein klein bisschen unangenehm: „Das muss man doch nicht an die große Glocke hängen.“, doch dann erzählte er mir doch, dass er seit rund 20 Jahren Mitglied beim VKKK ist und seit kurzem auch den Ehrentitel „VKKK-Botschafter“ trägt. „Für mich war und ist es ein inneres Bedürfnis, denen zu helfen, die nicht auf der Sonnenseite stehen. Ich habe selbst Kinder, die gesund sind, darüber freue ich mich natürlich, aber es ist schwer zu ertragen, wenn man mitbekommt, dass andere Kinder durch Schicksalsschläge kein kindgerechtes Leben erleben können. Wenn man dann in der Lage ist, mit finanzieller Unterstützung zu helfen, macht man etwas Sinnvolles.“ Große Worte eines sorgenden Familienvaters, der trotz seiner fußballerischen Karriere äußerst bodenständig geblieben ist, die man unkommentiert anerkennen muss.

brandl4
Ich dankte Hans Dorfner für die Zeit, die er sich für mich genommen hat, verabschiedete mich und hatte schon vor, zu gehen, als ein weiterer, mir gesichtsweise bekannter Ex-Fußballer, an mir vorbeihuschen wollte. Doch wer mich kennt, weiß, nicht mit mir. Denn es war Hans Jörg Butt, der als Torwart in seiner langen Laufbahn für verschiedene Vereine 26 Elfmetertore geschossen hat und von 2000-2010 Keeper der deutschen Nationalmannschaft war sowie zum Ende seiner Karriere von 2008-2012 bei meinem Lieblingsverein, dem FC Bayern München – jetzt ist’s raus – das Tor hütete. Doch Hans Jörg Butt hatte es eilig, so gab es nur eine kurze Begrüßung und ein Foto.

brandl5
Ein ereignisreicher Tag mit überaus interessanten Gesprächen und Einblicken in das Innerste meiner Gesprächspartner ging für mich als Fußball- und Krimifreundin zu Ende.

Einen Kommentar verfassen

Als Gast kommentieren

0 Zeichen Beschränkung
Dein Text sollte mehr als 10 Zeichen lang sein
Deine Kommentare erfordern die Moderation durch den Administrator
Nutzungsbedingungen.
  • Keine Kommentare gefunden

Angepinnt

  • Keine Kommentare gefunden

Beliebt

  • Keine Kommentare gefunden
Google Analytics Alternative