Sie ist nicht nur die wirtschaftlich erfolgreichste Gemeinde im Landkreis Kelheim, Neustadt hat sich in den letzten Jahren zudem zu einem Ort mit hoher Lebens-qualität entwickelt. Davon überzeugten sich die beiden SPD-Landtagsabgeordneten Ruth Mül-ler aus Landshut und Bernhard Roos aus Passau auf Einladung ihrer Kollegin und Sprecherin Jo-hanna Werner-Muggendorfer.

SPD Bahnhof

Sie ist in Neustadt geboren, aufgewachsen und lebt noch immer in ihrer Heimatstadt. Jetzt präsentierte Werner-Muggendorfer zu-sammen mit ihrem Parteifreund Bürgermeister Thomas Reimer dortige positive Beispiele aus Kultur, Freizeit und Wirtschaft. Außerdem stattete sie mit den Gäs-ten dem örtlichen Bahnhof einen Besuch ab. Denn wie bei allen sechs Haltestellen im Landkreis Kelheim bietet auch diese Anlage nur stark eingeschränkte Barriere-freiheit. Johanna Werner-Muggendorfer: „Da werden wir von der Deutschen Bahn sträflich vernachlässigt.“

SPD Dorfbühne Schwaig
„Lebendige Kultur und engagierte Eigenleistung“ präsentiert sich für Neustadts Bürgermeister im Kulturhaus in Schwaig, als dessen Motor noch immer Hans Bauer steht. Der Altbürgermeister des Dorfs vor dessen Eingemeindung und zweiter Bürgermeister in Neustadt danach lässt keinen Tag verstreichen, an dem er in den Räumen nicht kurz nach dem Rechten schaut. Genutzt wird das Kulturhaus vorwiegend von der „Dorfbühne Schwaig“, deren Schauspieler wegen ihrer hohen Professionalität weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt sind. Die Theaterabende sind daher grundsätzlich ausverkauft, und für’s „Derblecken“ im Rah-men des Starkbierfests reichen schon die derzeit drei Vorstellun-gen nicht mehr aus.
Rund 1,2 Millionen Euro flossen bis heute in das Kulturhaus, dessen Bau mit 600.000 Euro von Leader (Liaison entre actions de développement de l'économie rurale) der EU gefördert wurde. „Ein besonders gutes Beispiel da-für, wie man Privatinitiative auf dem Land optimal unterstützen kann.“, lautete dazu der Kommentar von Ruth Müller.
Neustadt gehört zu den Kommunen, die diese Geldquelle der Europäischen Union bisher schon reichlich genutzt haben. Nach Angaben von Thomas Reimer sind es mittlerweile rund zwei Millionen Euro, die für Projekte aus diesem Maßnahmenprogramm speziell für den ländlichen Raum, gewonnen werden konnten. „Auf diese Möglichkeit sollten auch andere Gemeinden im Freistaat verstärkt hingewiesen werden.“ Darin waren sich die drei SPD-Abgeordneten einig. Das wäre eigentlich die Aufgabe des Amts für ländliche Entwicklung. Doch weil dort zu wenig Personal zur Verfügung stehe, würde nur unzureichend informiert, weiß Ruth Müller in ihrer Funktion als Mitglied im Aus-schuss für Ernährung und Landwirtschaft im Landtag.
SPD Mauerner SeeZu einer weiteren Maßnahme, die mit Hilfe dieser EU-Mittel realisiert wurde, gehört die Freizeitanlage am See in Mauern, ebenfalls einem Ortsteil von Neustadt. Vor zehn Jahren entstand an der Südspitze des gut neun Hektar großen Badesees eine Flachwasserzone mit anschließender Liegewiese, Sportanlagen und Spielplatz, Ki-osk, Umkleiden, barrierefreien Sanitärräumen, sowie DLRG-Rettungsstation. Kosten insgesamt 800.000 Euro, an denen sich Leader mit 500.000 Euro beteiligte. Der Hauptteil des Ufergeländes rund um den See ist Naturschutz und Fischern vorbehalten.
Als „beispielhaft für die boomende Wirtschaft am Ort“ hatte Johanna Werner-Muggendorfer die Intertec Hess GmbH ausgewählt. Die Abgeordnete schätzt neben dem weltweiten Erfolg des Herstellers von temperierten Kunststoffgehäusen für empfindliche Geräte vor allem dessen „Kultur im Umgang mit seinen Mitarbeitern“. Insgesamt 220 sind es derzeit im Stammwerk in Neustadt, 160 am Standort in Kanada, 140 in Texas.
So werden grundsätzlich die Auszubildenden, Industrie- sowie Informatikkaufleute, Konstrukti-onstechniker, Lagerlogistiker und Produktdesigner, übernommen, zum Geburtstag gratulieren die Chefs persönlich, die zudem alle fünf Jahre die gesamte Beleg-schaft zu einem Kurztrip zum Beispiel nach Kanada, in die USA, nach England, Asien oder St. Petersburg einladen.
Als weniger positives Beispiel bildete Neustadts Bahnhof den Abschluss der Besichtigungs-Tour der SPD-Politiker. Dabei wies Bernhard Roos auf diverse Förderprogramme hin, die zum Beispiel für eine Verbesserung der Abstellmög-lichkeiten für Fahrräder und die Einrichtung von Ladestationen für E-Bikes genutzt werden können. Die SPD-Fraktion im Landtag bemüht sich aber auch im Rahmen ihres Engagements für Barrierefreiheit vor allen im öffentlichen Raum, um eine Verbes-serung in den Bahnhöfen. „In Neustadt und den anderen Halte-punkten im Landkreis müssen noch viel zu viele Treppen über-wunden werden.“, kritisiert Jo-hanna Werner-Muggendorfer. Was Neustadt betrifft, bedauert sie zudem, „dass diese Immobilie nicht von der Stadt erworben werden konnte.“ Ihr zuvor war nämlich ein privater Käufer gekommen, der die Räume über der Schalterhalle mittlerweile privat vermietet. Am Gebäude selbst wurde nicht viel hergerichtet, weshalb sich „die Visitenkarte unserer Stadt mit Kurort eher als Peinlichkeit darstellt“ kritisiert Werner-Muggendorfer und ist sich da mit ihren beiden Kollegen einig. Alle drei sind nun fest entschlossen: „Wir werden uns weiterhin darum bemühen, dass die Deutsche Bahn vor allem für Barrierefreiheit und ein besseres Erscheinungsbild an und in den kleinen Bahnhöfen im Freistaat sorgt.“

Gabriele Scholtz
Redaktionsbüro Scholtz&Schorschi