Rentnerin muss hungern, weil sich niemand zuständig fühlt!
Kordula H. mit der ersten Kordula H. mit der ersten "Nothilfe-Essenslieferung" von Fritz Zirngibl. (Foto: Fritz Zirngibl)
Eigentlich hatten sich Ludwig und Kordula H. einen ruhiges, angenehmes Rentnerdasein in der schönen Gemeinde Teugn vorgestellt: eine gemütliche Zweizimmerwohnung im ersten Obergeschoss, dazu ein idyllischer Garten und ein kleines Auto vorm Haus. Doch leider schreibt das Leben ihre eigene Geschichte. Ludwig, ein Internetexperte der bis im fernen China berufstätig war, stand kurz vorm Rentenalter, als gesundheitliche Probleme sich einstellten. Begleitet von einer rasch zunehmenden Demenz. Als dann noch ein Sturz in der Wohnung erfolgte, war nach dem Krankenhausaufenthalt und der Reha ein weiterer Aufenthalt in der Wohnung nicht mehr möglich. Ludwig wurde in das Altenheim im nahegelegenen Saal/Donau eingewiesen.
Für die 69jährige Kordula begann damit der soziale Abstieg: die Rente des Gatten wurde vom Altenheim in Anspruch genommen. Ihre eigene bescheidene Rente reichte gerade für die Wohnung samt Nebenkosten und spärlicher Verpflegung für sie und ihre Katzen. Das kleine Auto war schnell nicht mehr finanzierbar. Körperliche Einschränkungen kamen bei Kordula mit dazu: sie hat große Probleme mit den Beinen und konnte nur unter starken Schmerzen treppensteigen. Schulterschmerzen schränken die Bewegungsfähigkeit der Arme stark ein und ein starkes Dauerzittern der rechten Hand belastet zusätzlich. Soziale Kontakte waren so nicht mehr möglich, weil sie aus der, im 1. Stock gelegenen Wohnung, nicht mehr rauskommt. Kreisrat Zirngibl, der Vermieter, kümmerte sich darum, dass Kordula zumindest eine Betreuerin bekam, welche sich um das Wohlergehen der Dame kümmern sollte, denn ausschließlich alleine in der Wohnung sein, belastete Kordula sehr. Lediglich ihre Katzen gaben ihr noch Halt.
Als Kreisrat Zirngibl im September diesen Jahres vom Saaler Altenheim erfuhr, dass dort eine verhältnismäßig günstige Wohnung für mobile Senioren frei wurde, wäre dies eine gute Chance für eine Familienzusammenführung gewesen. Zudem hätte sie zwei ihrer Katzen mitnehmen dürfen. Zur Finanzierung der Unterbringung fehlte nur ein mittlerer 3-stelliger Eurobetrag. Doch die Wochen vergingen und die Betreuerin berichtete Zirngibl, dass sich die Sozialstelle im hiesigen Landratsamt und der Bezirk über die Kostenübernahme stritten. Es müsse eine Pflegestufe festgestellt werden, meinte die Dame vom Amt. Als endlich dann ein Gutachter vom MDK kam, meinte dieser, dass die Punktebewertung nicht ausreiche um eine Pflegestufe zu gewähren. Bei dieser Feststellung waren sowohl Kreisrat Zirngibl, als auch die Betreuerin anwesend und konnten nur den Kopf schütteln, über eine derartige menschenverachtende Einstufung. Denn ohne Pflegestufe war auch der Umzug zum Ehemann nicht mehr möglich. Was Zirngibl zur provokanten Frage veranlasste: "Warum kann eine sündteuere Familienzusammenführung von syrischen Angehörigen nach Deutschland bezahlt werden, aber für eine Familienzusammenführung von unseren Senioren ist über Entfernung von 4km nicht bezahlbar? Werden unsere eigenen Senioren zum Opfer der Zuständigkeiten? Wird hier mit zweierlei Maß gemessen?"
Auf die Frage des MDK-Gutachters, wie es mit der Verpflegung der Seniorin aussehe, antwortete diese, dass sie seit 3 Tagen nichts mehr gegessen hatte, weil kein Geld mehr vorhanden ist. Als Zirngibl die Betreuerin bat ihr doch Geld für das tägliche Essen zu Verfügung zu stellen, war die ablehnende Anwort: "Hallo Herr Zirngibl, woher soll ich das Geld nehmen? Auf ihr Bankkonto hat Frau Halbritter Zugriff!" Zugriff auf ein Bankkonto ist aber leider nur möglich, wenn auch entsprechendes Guthaben vorhanden ist. Doch weder Zahlungen durch das Sozialamt, noch Leistungen durch die Krankenkasse waren bislang eingegangen. Müssen in unserem Land Senioren hungern, weil sich keiner zuständig fühlt? Fritz Zirngibl brachte zur Grundversorgung der Mieterin erst mal einen Essenskorb.
Danach setzte der Bayernpartei-Kreisrat einen Aufruf im sozialen Netzwerk FB ab, wo er um Unterstützung für die Dame bat. Sehr schnell konnte so ein kleiner Helfernetzwerk aufgebaut werden mit regelmäßigen Besuchen, Einkäufen, Spenden und auch Nachschub für den Holzofen. Dazu Zirngibl: "Es ist traurig, dass die eigenen Rentner inzwischen oft Menschen zweiter Klasse sind. Sie haben unser Land aufgebaut, aber sie landen oft in der Altersarmut. Dieser Fall ist sicher kein Einzelfall. Er zeigt, so herzlos unsere Gesetze oft sind, die Bürger haben das Helfen noch nicht verlernt. Ich möchte allen Unterstützern dafür herzlich danken. Besonders Rosi Hammerl aus Lengfeld, Nicole Stark aus Rohr und Katja Flanigan aus Teugn."

Ein Pressebericht von Fritz Zirngibl