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Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker sowie der neue SPD-„Messias“ gaben sich in Abensberg ein Stelldichein
Juso-Vorsitzender Kevin Kühnert bei seiner Rede (Foto: br-medienagentur)Juso-Vorsitzender Kevin Kühnert bei seiner Rede (Foto: br-medienagentur)
Der Gillamoos ist weit über Abensberg hinaus bekannt, nicht zuletzt durch den traditionellen „Politischen Montag“, der den Jahrmarkt beschließt. Jedes Jahr eilen politische Schwer-, aber auch Leichtgewichte vieler Parteien in die niederbayerische Stadt, um sich mit mehr oder weniger markigen Reden in Bierzeltatmosphäre ihren Anhängern zu präsentieren.
SPD-Bundestagsabgeordneter und Generalsekretär der Bayern-SPD Uli Grötsch (Foto: br-medienagentur)SPD-Bundestagsabgeordneter und Generalsekretär der Bayern-SPD Uli Grötsch (Foto: br-medienagentur)
Sozialdemokraten empfingen den neuen SPD-„Messias“ Kevin Kühnert
Thomas Schug, Ortsvorsitzender der Abensberger SPD, und Uli Grötsch, SPD-Bundestagsabgeordneter und Generalsekretär der Bayerischen SPD, waren sehr erfreut darüber, dass sie mit Kevin Kühnert, dem Bundesvorsitzenden der Jusos, einen Hauptredner nach Abensberg holen konnten, der vor allem durch seine Statements zur bundespolitischen und gesellschaftlichen Situation in Deutschland für Aufsehen sorgt.
Thomas Schug, Vorsitzender der Abensberger SPD war stolz, dass Kevin Kühnert nach Abensberg zum Gillamoos geholt werden konnte (Foto: br-medienagentur)Thomas Schug, Vorsitzender der Abensberger SPD war stolz, dass Kevin Kühnert nach Abensberg zum Gillamoos geholt werden konnte (Foto: br-medienagentur)
Für Kühnert war der Auftritt am Gillamoos eine Premiere, denn der Berliner kannte diese Form der politischen Veranstaltung noch nicht, wie Thomas Schug in seiner Begrüßungsansprache den Zuhörern im vollbesetzten Jungbräu-Zelt verriet. Umso mehr waren die Besucher dann gespannt, wie sich der Jung-Politiker mit seinen erst 30 Jahren präsentieren wird. Sachlich und ohne verbale, populistische Schelte zu Ungunsten eines politischen Gegners, legte er seine Meinung zu den aktuellen Themen in der Politik dar. Gestärkt durch das gute Wahlergebnis der SPD bei den tags zuvor stattgefundenen Landtagswahlen in Brandenburg ist Kühnert der Meinung, dass seine Partei in der Bundeskoalition deutliche Forderungen stellen muss, wie beispielsweise die Wieder-Einführung der Vermögenssteuer. Er erinnerte in diesem Zusammenhang den Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder an den Artikel 123 der Bayerischen Verfassung, der besagt, dass alle im Verhältnis ihres Einkommens und Vermögens zu den öffentlichen Lasten heranzuziehen sind. Dem Verkehrsminister Andreas Scheuer von der CSU warf Kühnert vor, mit dem gescheiterten PKW-Mautprojekt Steuergelder verschwendet zu haben, die damit letztendlich bei anderen Projekten zum Wohl der deutschen Bevölkerung fehlen. Bezüglich der AfD bedauerte er, dass durch die der Hass in der Gesellschaft geschürt wird und die Schwachen in der Gesellschaft gegen die noch Schwächeren aufgebracht werden. Kühnerts Auftritt, ohne Polemik, aber sachlich fundiert, wurde vom Publikum mit viel Applaus bedacht.

CSU-Dreigestirn begeisterte seine Anhänger
CSU-Europaabgeordneter und Fraktionsvorsitzender der CSU im Europaparlament Manfred Weber. (Foto: br-medienagentur)
CSU-Europaabgeordneter und Fraktionsvorsitzender der CSU im Europaparlament Manfred Weber.  (Foto: br-medienagentur)
Bei der CSU waren als Redner der CSU-Europaabgeordnete und Fraktionsvorsitzende der CSU-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber, Verkehrsminister Andreas Scheuer und als Hauptredner Markus Söder angesagt. Der Kelheimer Landrat Martin Neumeyer war als Gastgeber sichtlich stolz auf die geballte CSU-Polit-Prominenz in diesem Jahr. Manfred Weber eröffnete die Rednerrunde und überraschte zunächst einmal mit seinem neuen Vollbart die CSU-Anhänger im proppenvollen Bierzelt. In seiner Rede ging Weber auf die Lage der Partei in Europa ein und meinte abschließend, nachdem er nicht EU-Kommissionspräsident geworden ist, könne er ja eventuell als nächster Kanzlerkandidat der CSU antreten, was als weitere Überraschung in den Gesichtern der Anwesenden abzulesen war.
Ministerpräsident Markus Söder rieb sich verbal vor allem an den Grünen und der AfD. Er sieht den Aufwärtstrend dieser beiden Parteien vor allem in der zunehmenden Spaltung der Gesellschaft in Deutschland begründet und warf der bayerischen Grünen-Vorsitzenden Katharina Schulze Doppelzüngigkeit vor, wenn man selbst Vielflieger ist und dann gegen das Fliegen wettert. Im Weiteren verwies Söder aber dann auf die Erfolge der CSU-Regierung und die wirtschaftliche Spitzenposition von Bayern in Deutschland und der Welt. Trotzdem mahnte Söder aber auch an, dass nur durch weitere Investitionen diese Spitzenstellung zu halten sei.
Ministerpräsident Markus Söder war der vielbejubelte Hauptredner im CSU-Zelt. (Foto: br-medienagentur)Ministerpräsident Markus Söder war der vielbejubelte Hauptredner im CSU-Zelt. (Foto: br-medienagentur)
Die hochkarätigen Redner wurden von den CSU-Anhängern mit langanhaltendem Applaus gefeiert.

Die Grünen thematisierten die Umweltpolitik bei Kaffee und Kuchen
Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Landtagsfraktion der Grünen teilte kräftig in Richtung CSU aus (Foto: br-medienagentur)
Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Landtagsfraktion der Grünen, teilte kräftig in Richtung CSU aus (Foto: br-medienagentur)
Bei den Grünen traten die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag Katharina Schulze und Dr. Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, im voll besetzten Weinzelt vor ihre Anhänger. Katharina Schulze wie auch Anton Hofreiter befassten sich in ihren Reden überwiegend mit dem ureigenen Thema der Partei, der Umweltpolitik. Hier ließ aber vor allem Katharina Schulze kein gutes Haar an der Politik der CSU und speziell an dem Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Katharina Schulze konnte sich einige Seitenhiebe auf den Bayerischen Ministerpräsidenten nicht verkneifen, welcher sie angesichts seiner „grünen Tarnung“ eher an einen „Heiratsschwindler“ als an einen Politiker mit ernsthafter ökologischer Einstellung erinnere. Hofreiter, mit der Bahn zum Gillamoos im überfüllten Zug angereist, merkte hierzu an: „Wir genossen die Fahrt in vollen Zügen.“ und forderte deshalb zum wiederholten Male einen besseren Ausbau des Schienennetzes und allgemein eine bessere Förderung der Bahn. Hofreiter verwies im weiteren Verlauf seiner Rede auf die letzten Erfolge der Grünen bei Wahlen, insbesondere die jüngsten Ergebnisse der Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen bestätigten die Politik der Grünen.
Kaffee und Kuchen oder auch ein Schoppen Wein mundeten den Zuhörern ebenso, wie die Themen der beiden Redenden, denen großer Applaus gespendet wurde.

„Die Linke“ schnappte den Rechten den begehrten Platz im Schlossgarten weg
Bodo Ramelow, Ministerpräsident von Thüringen bei seine Ansprache (Foto: Tobi Schmidmeier)Bodo Ramelow, Ministerpräsident von Thüringen bei seine Ansprache (Foto: Tobi Schmidmeier)

Zum ersten Mal hatte der Kreisverband Landshut-Kelheim der Partei „Die Linke“ zum Politischen Frühschoppen am Gillamoos in den Schlossgarten Abensberg eingeladen. Ehrengast der Veranstaltung war Bodo Ramelow, Ministerpräsident von Thüringen. Neben Ramelow haben die Bundestagsabgeordnete Eva Schreiber, die Landessprecherin Eva Bulling-Schröter und der Landessprecher Ates Gürpinar gesprochen. Auch einen kleinen Input der Linksjugend ['solid] Niederbayern gab es. Fabian Huber, der Sprecher der Linksjugend, beklagte die Last, die auf seiner Generation wegen der Sorge um die Zukunft des Planeten läge. Er appellierte deshalb auch an die Jugend politisch aktiv zu werden. Moderiert wurde die Veranstaltung von Stefan Hemmann, Kreissprecher des Kreisverbandes. Musikalisch begleitet wurde der Frühschoppen von der Landshuter Afropunkband Garopa.
Themen, die immer wieder aufgegriffen wurden, waren der Klimawandel und die Bedrohung von Rechtsaußen. Bezüglich des Klimawandels bezeichnete Eva-Bulling-Schröter vor allem die Grünen als „Wohlfühlpartei“ und Ates Gürpinar kritisierte deren Kehrtwende im Bereich Friedenspolitik. Weiter sagte Ates Gürpinar, dass die Veranstaltung am Gillamoos „gelebter Antifaschismus“ sei. Gemeint war damit die Tatsache, dass „Die LINKE“ der AfD den Platz im Schlossgarten weggeschnappt hatte. Diese musste dann kurzerhand auf eine nageliegende, kleine Insel in der Abens ausweichen.
Bodo Ramelow nahm sich auch viel Zeit, um mit den Besuchern der Veranstaltung zu diskutieren (Foto: Tobi Schmidmeier)Bodo Ramelow nahm sich auch viel Zeit, um mit den Besuchern der Veranstaltung zu diskutieren (Foto: Tobi Schmidmeier)
Die herben Verluste bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg dominierten jedoch die meisten Reden. Bodo Ramelow sagte diesbezüglich: „Es gibt Tage, da wünschte ich mir, ich wär' mein Hund.“ Kritisierte aber auch, dass schon im Vorfeld der Unterton mitschwang „alles seltsam da im Osten“. Diese vereinfachte Anschauung wäre fatal, denn dann sei die Botschaft: „Mauer hoch. Problem gelöst.“ Dabei sei damit aber gar nichts gelöst. Es dürfe zum Beispiel nicht sein, dass er, Ramelow, für das Hundefutter seines Hundes nur 7% Mehrwertsteuer zahlt, während Babynahrung mit den vollen 19% besteuert wird. Ziel müsste es sein, dass die wichtigen Dinge für alle erschwinglich sind. Kindertagestätten müssten zum Beispiel komplett kostenlos werden.

Bayernpartei fordert am Politischen Gillamoos endlich Politik für Bayern

Fritz Zirngibl, Kreisrat und Gemeinderat der Bayernpartei bei seiner Rede (Foto: Andreas Schambeck)Fritz Zirngibl, Kreisrat und Gemeinderat der Bayernpartei bei seiner Rede (Foto: Andreas Schambeck)Die Bayernpartei lud zum Politischen Gillamoos Montag in den historischen Festsaal vom Gasthof Kuchlbauer ein. An politischer Prominenz waren Landesvorsitzender Florian Weber, Generalsekretär Hubert Dorn und Kreisrat- und Gemeinderat Fritz Zirngibl, der Lokalmatador, vertreten.
Zirngibl eröffnete mit seiner Rede in gewohnt markigen Worten die Veranstaltung. Er bezeichnete „jene, drunten in den Zelten“ als Versager, Stümper, Brunnenvergifter, Flughafenbauer-Versager, preußische Ausbeuter und bayerische Heimatverräter. Zirngibl kritisierte auch den zunehmenden Bürokratismus, der zum Sargnagel für das Handwerk werden könnte. Seine Ansprache beendete er mit dem Aufruf: „Bayerische Intelligenz gegen Berliner Dummheit!“
Weber warnte vor einer Verarmung der Gesellschaft. Er ging auf die steigenden Mietpreise und die Zinspolitik ein, sprach sich für mehr Regionalmärkte aus und gab der industriellen Tierhaltung eine klare Absage.
v.l.: Generalsekretär Hubert Dorn, Landesvorsitzender Florian Weber und Kreisrat- und Gemeinderat Fritz Zirngibl (Foto: Andreas Schambeck)v.l.: Generalsekretär Hubert Dorn, Landesvorsitzender Florian Weber und Kreisrat und Gemeinderat Fritz Zirngibl (Foto: Andreas Schambeck)Die Bayernpartei beansprucht für sich, den politischen Gillamoos erfunden zu haben. Folglich sind alle anderen Parteien nur Kopierer, so Generalsekretär Hubert Dorn in seiner Rede. Als „schizophren“ bezeichnete es Dorn, dass die Asylfrage, die eine nationale Frage sei, stets auf die europäische Ebene geschoben werde und die Klimafrage, die global zu lösen sei, in Deutschland angepackt werden solle. In Sachen Energiewende warnte der Generalsekretär davor, sich durch Windräder in anderen Bundesländern weiter abhängig vom Norden zu machen: „Bayern muss energieautark sein, wir wollen nicht in die nächste Abhängigkeit.“

Weitere Parteien, wie die Freien Wähler, die AfD und die FDP, waren ebenso mit hochkarätiger Polit-Prominenz am Gillamoos-Montag vertreten.

Nachfolgend noch ein paar Impressionen von den politischen Veranstaltungen am Gillamoos

Bad Abbacher CSU-Marktrat Ernst Gassner mit Gattin war selbstverständlich im CSU-Zelt (Foto: br-medienagentur)Bad Abbacher CSU-Marktrat Ernst Gassner mit Gattin war selbstverständlich im CSU-Zelt (Foto: br-medienagentur)
In den vorderen Reihen bei der Rednerbühne: Landrat Martin Neumeyer, Bayerns Staatsminister für Wissenschaft und Kunst - Bernd Sibler und im Vordergrund Mainburgs zweite Bürgermeisterin und Kreisrätin Hannelore Langwieser (Foto: br-medienagentur)In den vorderen Reihen bei der Rednerbühne: Landrat Martin Neumeyer, Bayerns Staatsminister für Wissenschaft und Kunst  Bernd Sibler und im Vordergrund Mainburgs zweite Bürgermeisterin und Kreisrätin Hannelore Langwieser (Foto: br-medienagentur)
Im Vordergrund Bad Abbacher CSU-Marktrat Andreas Diermeier (links) und Riedenburgs Erster Bürgermeister Siegfried Lösch und im Hintergrund Manfred Weber, Andreas Scheuer - Bundesverkehrsminister - und Abensbergs Erster Bürgermeister Dr. Uwe Brandl (Foto: br-medienagentur)Im Vordergrund Bad Abbacher CSU-Marktrat Andreas Diermeier (links) und Riedenburgs Erster Bürgermeister Siegfried Lösch und im Hintergrund Manfred Weber, Andreas Scheuer - Bundesverkehrsminister - und Abensbergs Erster Bürgermeister Dr. Uwe Brandl (Foto: br-medienagentur)
War selbstverständlich im SPD-Zelt: SPD-Landratskandidat Stephan Schweiger aus Stausacker/Kelheim (Foto: br-medienagentur)War selbstverständlich im SPD-Zelt: SPD-Landratskandidat Stephan Schweiger aus Stausacker/Kelheim (Foto: br-medienagentur)
Auch im SPD-Zelt: die rührige SPD-Landtagsabgeordnete Ruth Müller (Foto: br-medienagentur)Auch im SPD-Zelt: die rührige SPD-Landtagsabgeordnete Ruth Müller (Foto: br-medienagentur)

Gratulation von allen flür die sachlich fundierte Rede von Kevin Kühnert (Foto: br-medienagentur)Gratulation von allen flür die sachlich fundierte Rede von Kevin Kühnert (Foto: br-medienagentur)