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Im Winterhalbjahr ist beim Landschaftspflegeverband Kelheim VöF e. V.
neben der Neupflanzung von Hecken und Streuobstanlangen v. a. bei der Gehölzpflege Hochkonjunktur
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Da aufgrund von gesetzlichen Bestimmungen Gehölzpflegemaßnahmen in der freien Landschaft nur außerhalb der Vogelbrutzeit vom 01.10. bis 28.02. eines Jahres durchgeführt werden dürfen, herrscht zurzeit beim LPV Kelheim diesbezüglich Hochkonjunktur.
Die durchgeführten Maßnahmen dienen dabei dem Erhalt und der Förderung wertvoller Offenlandbiotope wie Streuwiesen oder Magerrasen. Ohne menschliche Eingriffe, sprich Gehölzpflege, würden diese Biotope im Laufe der Zeit nach und nach verbuschen und sich letztendlich in Wald verwandeln. Dadurch würden viele seltene Pflanzenarten, die auf die ohnehin bereits rar gewordenen offenen und zugleich extensiv bewirtschafteten Biotope angewiesen sind, wie z. B. Trollblume, Prachtnelke oder Küchenschelle, in ihrem Bestand noch stärker bedroht oder gar ganz verschwinden.
Auch viele Tierarten sind auf diese Lebensräume angewiesen. Als Beispiel seien nur die zahlreichen seltenen Schmetterlingsarten wie Wiesenbläuling oder Aurorafalter genannt, oder die für die Obstbestäubung besonders wichtigen Wildbienen, die auch bei kaltem Wetter zur Obstblüte ihre unverzichtbare Bestäubungsarbeit leisten.
Nicht zuletzt aber auch viele Vogelarten, angefangen von der bodenbrütenden Feldlerche, über den Kiebitz und den Großen Brachvogel als Vertreter der weiten, offenen Feucht- und Nasswiesen bis hin zum Rebhuhn, welches sich mit seinem Fiederkleid an niedrige und magere Wiesenvegetation angepasst hat.
Es gilt also, diese extensiven offenen Lebensräume zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Da die frühere landwirtschaftliche Nutzung, die ja diese Lebensräume erst geschaffen hat, sich kaum noch mit den heutigen modernen Produktionsmethoden vereinbaren lässt bzw. sich auch gar nicht mehr rentiert (z. B. Mahd von Streuwiesen mit dem Motormäher zur Einstreugewinnung oder Weidepflege durch Schäfer), organisiert der VöF zusammen mit zahlreichen Landwirten die notwendigen Maßnahmen zum Erhalt dieser Landschaften.
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Ein weiterer Schwerpunkt der Winterarbeit des VöF ist die Hecken- und Feldgehölzpflege.
Diese, für ein reich strukturiertes und damit auch touristisch attraktives Landschaftsbild unverzichtbaren Landschaftsbestandteile, bedürfen ebenso wie die offenen Landschaften einer regelmäßigen Pflege, um ihre vielfältigen Funktionen für den Naturhaushalt zu gewährleisten.
Eine unterlassene Pflege führt dabei nicht, wie oft fälschlich angenommen, zu einer Biotopaufwertung, sondern eher zu einer Verringerung der Artenvielfalt.
Hecken haben nämlich die Eigenschaft, bei unterlassener Pflege innen zu verkahlen und zu vergreisen, dadurch wird das Nahrungsangebot für viele Tierarten stark reduziert. Nur ein regelmäßiger Stockhieb mit den darauf folgenden frischen Austrieben kann hier Abhilfe schaffen. Dieser sollte nur im mehrjährigen Turnus und abschnittsweise erfolgen, um nicht den gesamten Lebensraum auf einmal zu verändern und um eine Altersklassenvielfalt zu erhalten.
Auch das Durchwachsen und Überhandnehmen von raschwüchsigen Pioniergehölzen wie Weiden, Pappeln oder Birken sowie von standortfremden Gehölze wie Robinien ist kritisch zu betrachten. Es führt zur Verdrängung der artenreichen Strauchschicht mit Holunder, Schlehe, Weißdorn oder Heckenkirsche und behindert zudem langsam wachsende, dafür aber langlebige Gehölze wie Eichen oder Ahorne und auch die in den Hecken eigens gepflanzten Obstbäume.
Viele Pflegemaßnahmen, insbesondere die Entnahme von größeren Gehölzen, stoßen gelegentlich bei Spaziergängern und Wanderern auf Unverständnis und kritische Äußerungen. Hier bittet der VöF zu berücksichtigen, dass den Pflegemaßnahmen immer ein spezielles fachliches Ziel hinterlegt ist und die Maßnahmen im Vorfeld eng mit den Fachbehörden abgestimmt worden sind.
Der VöF hat sich zudem eigens für die Erstellung von Fachkonzepten für die Heckenpflege vom Landesamt für Landwirtschaft zertifizieren lassen. Damit ist er berechtigt, anhand der vom ihm erstellten Konzepte beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten über das Kulturlandschaftsprogramm Fördermittel für die Pflege zu beantragen.
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So wurden vom VöF heuer für über 100 Hecken und Feldgehölze im Landkreis Fördermittel beantragt und auch genehmigt.
Die Pflegearbeiten werden dabei nach erfolgter Einweisung durch den VöF von ortsansässigen Landwirten durchgeführt, das dabei anfallende Schnittgut wird mit Häckslern zu Holzhackschnitzel weiterverarbeitet und anschließend in dezentralen Hackschnitzelheizungen verwertet. Für kleinere Heizungsanlagen weniger geeignetes Material wird in zentralen Blockheizkraftwerken angeliefert und dient dort der Wärme- und Stromgewinnung.
Insgesamt werden durch die vom VöF im Landkreis durchgeführten Gehölzpflegemaßnahmen (Hecken- und Feldgehölzpflege, Biotopfreistellungen, Waldumbau) jährlich weit über 2.000 m³ Hackschnitzel gewonnen, welche einem Wärmeäquivalent von annähernd 200 000 l Heizöl entsprechen.
Die Gehölzpflege dient somit zwar vorrangig dem Arten- Biotop- und Erosionsschutz und dem Erhalt touristisch attraktiver Landschaften, nebenbei wird aber auch dem Gedanken der nachhaltigen Energiegewinnung innerhalb der Region Rechnung getragen.