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Ruth Müller und Johanna Werner-Muggendorfer von der SPD empört über die Vergabepraxis der Bayerischen Staatsregierung
werner muggendorfer johannaMit nur spärlichen Informationen und geringem Zahlenmaterial kann das Bayerische Landwirtschaftsministerium aufwarten, wenn es um die Direktvermarktung geht. Diese Erfahrung machte die Landshuter SPD Landtagsabgeordnete Ruth Müller bei ihrer Anfrage zum Verkauf von Produkten direkt ab Hof im Freistaat. Und sie stellt fest: Die Förderung dafür falle mit 2.5 Millionen Euro von 2010 bis 2016 „äußerst gering“ aus.
Das empört auch MdL Johanna Werner-Muggendorfer aus Neustadt a.d. Donau (Landkreis Kelheim), da an Niederbayern, der Heimat der beiden Politikerinnen mit 116.251,00 Euro die geringste Fördersumme für die Direktvermarktung floss. Oberbayern ist mit 601.587,00 Euro Spitzenreiter gefolgt von Schwaben mit 561.454,00, Unterfranken mit 484.582,000, Mittelfranken mit 340.533,00 und Oberfranken mit 262.169,00 Euro. Niederbayern bildet das Schlusslicht.

mueller ruth SPD BayernRuth Müller, im Agrarausschuss des Landtags SPD-Expertin für den Bereich der regionalen Wertschöpfung, zeigt sich von der Unwissenheit von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner überrascht:„Bei der regionalen Vermarktung befindet sich die Staatsregierung ganz offensichtlich im Tal der Ahnungslosen.“ Dagegen kenne man jede Tonne Milchpulver, „die nach China verschifft wird, mit Namen.“
Wie ihre Kollegin Werner-Muggendorfer kritisiert auch Müller „die geringe Fördersumme von insgesamt 2,5 Millionen Euro für Betriebe mit Direktvermarktung im Freistaat, die seit 2010 geflossen ist. Zudem seien viele Landkreise komplett leer ausgegangen, so wie Landshut und Kelheim, die Heimatkreise der beiden Abgeordneten. Auch über den Anteil der Ökobetriebe in Bayern kann Brunners Ministerium keine Antwort geben. Deshalb fordern die beiden SPD-Abgeordneten aus Niederbayern: „Der Slogan Weltmarkt und Wochenmarkt darf nicht länger eine Seifenblase des Landwirtschaftsministers bleiben.“ Ruth Müller: „Wir brauchen deshalb schnell eine klare Offensive zur Stärkung der bäuerlichen Vermarktung für die Verbraucher am jeweiligen Ort und in der Region.“ So müssten zum Beispiel die Vorgaben bei der Direktvermarktung überprüft und erleichtert werden. „Dringend notwendig“ sei auch die Erfassung der regionalen Direktvermarkter, um entsprechende Förderungspotenziale offenzulegen. Zudem müsse die Ernährungsbildung in den Schulen verstärkt werden. Müller: „Nur mit einem ausreichenden Bewusstsein für lokalen Konsum kann Vermarktung vor Ort gelingen.“
Im Landkreis Kelheim gibt es 71 Direktvermarkter, die von einer besseren staatlichen Förderung profitieren könnten. Im Bereich Neustadt und Abensberg befinden sich darunter die Spargel- und Beerenhöfe im nördlichen Landkreis die Schäfer, Metzger und Gastronomen, die die Spezialität „Altmühltaler Lamm“ anbieten. Sie unterziehen sich regelmäßig dem Kontroll- und Qualitätssicherungsprogramm der Gesellschaft für Qualitätssicherung in der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft (QAL). Außerdem gibt es spezielle, Anbieter von frischem Wild während der Jagdzeit von Mai bis Januar, das in küchenfertigen Portionen zu haben ist und Bier aus den Brauereien in Weltenburg, Kelheim, Abensberg, Oberndorf, Mainburg, Herngiersdorf, und Siegenburg. Allesamt tragen eines oder mehrere der vergebenen Siegel für regelmäßig geprüfte Qualität, Ökologie, Bioanbau und Regionalität.
Bericht verfasst von Redaktionsbüro Scholz und Schorschi