Integration von Flüchtlingen und Asylbewerbern:

IHK- und HWK-Spitzen warnen vor Aufweichung des Ausbildungsniveaus
„Wir brauchen Geduld bei der Integration von jungen Flüchtlingen und Asylbewerbern in den niederbayerischen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt“ – so die Spitzenvertreter der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz und der Industrie- und Handelskammer Niederbayern bei der gemeinsamen Präsidiumssitzung in Passau. Die Präsidenten und Geschäftsführer der beiden Kammern betonten die ausgeprägte Willkommenskultur, die die Betriebe gegenüber Flüchtlingen und Asylbewerbern hegten. Auch weil es nach wie vor, quer durch alle Berufssparten, einen erhöhten Bedarf an Mitarbeitern mit Berufsausbildung gebe. Mit der Gruppe der Flüchtlinge könne man aber dem Bewerbermangel lediglich zu einem Bruchteil entgegensteuern. Außerdem werde es rund fünf bis sechs Jahre dauern, sie tatsächlich in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Die Bereitschaft Praktika und Ausbildungsplätze an Flüchtlinge zu vergeben ist hoch. Das belegen rund 200 Ausbildungsverhältnisse, die allein im ostbayerischen Handwerk bereits abgeschlossen wurden. Viele Betriebe berichten von der riesigen Motivation der Neuankömmlinge. Doch einfach ist der Weg zur abgeschlossenen Berufsausbildung nicht. „Die Anforderungen an ausländische Azubis sind genauso hoch wie an inländische“, verdeutlichte Handwerkskammerpräsident Dr. Georg Haber. Sprachbarrieren und Kulturunterschiede seien hier eine große Herausforderung. Um die Integration der jungen Migranten schnell voranzutreiben, werden, wie die beiden Kammern berichteten, immer wieder Stimmen laut, die nach einer „Gesellen- oder Facharbeiterprüfung light“ verlangen. Die Wirtschaftsvertreter treten dem entschieden entgegen: „An der Qualität der Berufsausbildung und den Prüfungen darf nicht gerüttelt werden“, forderten sie. Man plane aber, die Organisation der schriftlichen Prüfungen für alle Teilnehmer unabhängig von ihrer Herkunft zu optimieren, beispielsweise indem Wörterbücher zugelassen und Sprachstrukturen vereinfacht werden.

Präsidiumssitzung

Abstriche beim Ausbildungsniveau wolle man auf keinen Fall machen. Das duale System sei das Markenzeichen und Qualitätssiegel für deutsche Produkte und Dienstleistungen und damit ein entscheidender Erfolgsfaktor für die hiesige Wirtschaft. „Die Qualität des Bildungssystems können wir nicht an eine neue Gruppe anpassen. Der richtige Ansatz ist, die jungen Flüchtlinge bestmöglich auf unser System vorzubereiten“, sagte Haber. Die beiden Kammern forderten zudem eine bessere Planungssicherheit für Betriebe, die Asylbewerber beschäftigen. „Während und bis zu zwei Jahre nach der Ausbildung darf es keine Abschiebungen geben“, so IHK-Präsident Thomas Leebmann.