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Da der „Bad Abbacher Kurier“ jeden Tag die aktuelle Corona-Statistik des Landkreises Kelheim veröffentlicht, erhielten wir zur Impf-Situation einen Leserbrief der Bad Abbacher Ex-Marktgemeinderätin Elfriede Bürckstümmer:

Corona Impfung (Foto: br-medienagentur/billion-digital)Corona Impfung (Foto: br-medienagentur/billion-digital)
Es ist ein Skandal, dass immer häufiger „Umgehungen“ der empfohlenen Impfreihenfolge an die Öffentlichkeit dringen. Und die veröffentlichten Ereignisse sind sicher nur die Spitze des Eisbergs, denn anders ist nicht zu erklären, dass vielfach noch nicht einmal die Hälfte der über 80-Jährigen laut Medienberichten ein Impfangebot erhalten haben. Dabei ist die Lage völlig klar:
  1. Es gibt derzeit einen Impfstoff für alle Menschen bis zum 64. Lebensjahr: AstraZeneca. Es sind in allen drei priorisierten Gruppen Berechtigte aus dieser Altersgruppe.
  2. Es gibt Impfstoffe, die auch für über 65-Jährige zugelassen sind: Biontech/Pfizer und Moderna.
  3. Es gibt keine Impfstoffe, die für unter 16-Jährige zugelassen sind.
  4. Es ist bekannt, dass das Immunsystem bei Menschen ab 60 in der Regel zu schwächeln beginnt, ab 70 nicht mehr gut arbeitet und ab 80 zunehmend schlecht arbeitet. Aus diesem Grund steht an der ersten Stelle der drei Priorisierungsgruppen jeweils das Alter als Begründung. An zweiter Stelle folgen Personen mit besonderen gesundheitlichen Risiken, erst ab der dritten Stelle folgen Berufsgruppen, die ansteckungsgefährdet sind. Nirgends steht in der Verkündigung im Bundesanzeiger vom 08. 02. 2021, dass irgendein Impfzentrum nach Gutdünken eigene Priorisierungen vornehmen darf. Das heißt, es muss nach Reihenfolge geimpft werden!
Das Vorgehen sollte deshalb völlig klar sein:
  1. Jedem Impfzentrum sollten bis Impfstart von ihren Kommunen die Anzahl der Bürger aus den drei Altersgruppen gemeldet worden sein. Es weiß also, wie viele Bürger*innen (alleine nach dem Alter) maximal zu erwarten sind.
  2. Jedes Impfzentrum führt eine Liste der angemeldeten Personen für jede Priorisierungsgruppe, in der Reihenfolge des Alters (96-Jährige sollten vor 82-Jährigen geimpft werden können!), bzw. nach Gefährdungsgruppe, bzw. nach Berufsgruppe. Es ist deshalb jederzeit möglich, festzustellen, ob sich allein nach dem Alter berechtigte Personen auch angemeldet haben und man kann, sollte die Zahl der Angemeldeten deutlich drunter liegen, die Kommunen auffordern, einen Rundbrief an alle Berechtigten zu verschicken. Sie haben die Adressen und das Recht auf Zugriff dazu.
  3. Sollten wirklich – zumindest derzeit – Impfdosen von den für alle Altersgruppen zugelassenen Impfstoffen übrig sein, dann ist es problemlos möglich, die Berechtigten, entlang der Altersreihenfolge anzurufen und kurzfristig zu einem außerordentlichen Termin zu bitten, bis die verfügbaren Dosen vergeben sind. Aufgezogene Impfdosen sind drei Stunden verwendbar! Es soll sogar Impfzentren geben, die ungefähr 40 potentiellen Nachrückern schon mal einen Impftermin ankündigen, damit nicht so viel antelefoniert werden müssen!
  4. Es sollte absolut selbstverständlich sein, dass kein unter 65-Jähriger ein Impfangebot mit Biontech/Pfizer oder Moderna Impfstoff erhält, bevor nicht ALLE über 65-Jährige das erhalten haben.
Einladung zur Impfung mit AstraZeneca, sobald dieser Impfstoff angekündigt ist:
  1. Sollten sich in der Gruppe 1 keine Berechtigten unter 65 befinden, die noch nicht geimpft sind, kommen die unter 65-Jährigen aus der zweiten Gruppe dran, bis hier alle Berechtigten ein Impfangebot hatten, und dann die aus Gruppe 3, unabhängig davon, ob die Priorisierung nur nach Alter schon so weit ist. Das hätte den Vorteil, dass zum Beispiel Personen mit gesundheitlichen Risikofaktoren, aber unter 65 Jahren, schon schneller geimpft werden könnten.
  2. Sollte ein Berechtigter dieses Impfangebot ablehnen, fällt er aus der Priorisierung heraus und wird wie ein Bürger „ohne Priorität“ behandelt.
Dass ab Mai alle Impfstoffe in Arztpraxen verabfolgt werden sollen, wie der europäische Ärztepräsident Dr. Montgomery ankündigte, übrigens derselbe, der verlangt hatte, dass alle Ärzte den „besseren“ Impfstoff von Biontech/Pfizer bevorzugt erhalten sollen, weil sie besonders darauf angewiesen seien, klingt zwar gut, macht aber erst Sinn, wenn ALLE Priorisierten aus den drei Gruppen ein Impfangebot erhalten haben, die derzeit nur mit Biontech/Pfizer oder Moderna geimpft werden können. Die Impfzentren müssen Rechenschaft über die Reihenfolgen der Einladung und Impfung abgeben; für Arztpraxen gilt am besten: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
Zur besseren Information sollten die Impfzentren vielleicht einmal absolute Zahlen veröffentlichen über die abgegebenen Impfdosen, dann gäbe es keine Gerüchte. Dazu die Zahlen zur Beruhigung der Betroffenen:
  • Geimpfte in Heimen
  • geimpftes Personal in Heimen
  • Geimpfte über 80 Jahren

Und wenn sie sich trauen:
  • Geimpfte aus Priorisierungsgruppe 2, das sind zum Beispiel alle Arztpraxen und ausgewählte Polizeigruppen.



Elfriede Bürckstümmer (Anschrift der Redaktion bekannt)