Zuversichtlich und dabei doch ehrlich geknickt über die „historische Niederlage“ bei der Bundestagswahl gaben sich die drei niederbayerischen SPD-Abgeordneten als Gastgeber des Arbeitnehmerempfangs in Kelheim.

SPD Arbeitnehmeremfang 17

Johanna Werner-Muggendorfer freute sich, dass es ihr gelungen war, „die ganze niederbayerische SPD-Landtagsfamilie hier zu versammeln“. Das sei schon etwas Besonderes und eine gute Gelegenheit, sich mit Arbeitnehmern und deren Vertretern persönlich auszutauschen. Ihre Kollegin Ruth Müller aus Landshut durfte wegen einer starken Erkältung auf ärztliche Anordnung zwar nicht das Wort ergreifen, für sie versicherte aber Bernhard Roos, der dritte im Bunde, der aus Passau angereist war: „Wir drei sind allesamt stolz darauf, dass wir so gut kooperieren.“ Im Namen seiner beiden Kolleginnen gestand er aber auch den Schmerz über das „verheerenden Ergebnis“ seiner Partei bei den Bundestagswahlen ein, das vor diesem Regierungsbezirk mit 16 Prozent Erst-, 13,7 Prozent Zweitstimmen ebenfalls keinen Halt gemacht hat: „Das nervt schon total.“ Dass die dortigen Sozialdemokraten deshalb zwei Mandate im Bundestag verloren hätten, sei dazu „sehr bitter“. Ebenso der Erfolg der AfD, der es in Niederbayern mit 16,7 Prozent gelungen war, die SPD zu schlagen, wozu auch frühere Wähler der Sozialdemokraten und Gewerkschaftler beigetragen hätten. „Dabei waren wir in der Koalition an der Bundesregierung, die Besten.“, betonte Bernhard Roos, wofür unter anderem die Durchsetzung der Rente für Mütter, der ab 63 Jahren und der Mindestlohn stünden. Allesamt gelte es künftig zu verteidigen. Das unterstützen auch Johanna Werner-Muggendorfer und Ruth Müller. Die Abgeordnete aus Landshut setzt sich vor allem für eine Verbesserung des Auskommens der Beschäftigten in prekären Arbeitsverhältnissen, 450-Euro- und schlecht bezahlten Aushilfs-Jobs ein, denn sie weiß: „Niedrige Löhne im Erwerbsleben sind der Hauptgrund für Altersarmut.“
Bernhard Roos wünscht sich zudem „mehr Gewicht für die politische Bildung an Schulen“. Der Grund dafür ist aktuell, denn viele, die AfD gewählt hätten, „haben keinen Dunst, was diese Partei überhaupt tut und bedeutet.“ Für Sozialdemokraten und die Gewerkschaften gebe es daher nicht nur in dieser Hinsicht „noch sehr viel zu tun.“ Politisch unterstützt werden müsse zum Beispiel auch die Umstellung der Autoindustrie auf Elektromobilität, die flächendeckende Digitalisierung mit schnellen und stabilen Netzen und Weiterbildungsprogramme, die vor allem der Jugend die Chancen auf berufliche Aufstiegsmöglichkeiten sichern. Zudem dürfe es bei der Landtagswahl im kommenden Jahr „ein Desaster“ wie bei der Bundestagswahl nicht mehr geben. Für Niederbayern stellt sich Johanna Werner-Muggendorfer nach über 25 Jahren Landtag nicht mehr, bleiben noch Ruth Müller und Bernhard Roos, die sich „mit Zuversicht“ den Wählern stellen.