Logo editorial„Arbeiter, organisiert euch! Vereinzelt seid ihr nichts, vereinigt seid ihr alles!“
(August Bebel, Politiker und Publizist, Mitbegründer der deutschen Sozialdemokratie, gest. 1913)

Der Mai ist nicht nur der sogenannte Wonnemonat, in Anlehnung daran, dass der Frühling, in dem alles sprießt und grünt, endlich wieder die Natur und die Herzen der Menschen erwärmt, sondern in der Historie auch ein blutiger Monat. Warum?

Nun, seinen Ursprung hat der „Internationale Tag der Arbeit“, der am 1. Mai begangenen wird und an dem paradoxerweise in vielen Ländern gar nicht gearbeitet wird, bereits 1856. Just am 1. Mai 1856 gab es in Australien Massendemonstrationen, in denen Arbeiter den Achtstundentag forderten. 1886 besann sich die nordamerikanische Arbeiterbewegung auf diese Demonstrationen und rief, wiederum zur Durchsetzung des Achtstundentags, zu erneuten Demonstrationen auf. Anfang Mai 1886 kam es dann in Chicago zum blutigen Höhepunkt, bekannt als „Haymarket Affair“. Bei Auseinandersetzungen zwischen Arbeitern und Polizisten wurden auf beiden Seiten Tote und Hunderte von Verletzten beklagt. Die Protagonisten wurden zum Tode verurteilt, vier wurden gehängt, einer beging Suizid, drei wurden später begnadigt. Beim Gründungskongress der Zweiten Internationalen wurde dann 1889 der 1. Mai als „Kampftag der Arbeiterbewegung“ in Gedenken an die Toten und Verletzten ins Leben gerufen. Am 1. Mai 1890 wurde dann erstmals weltweit demonstriert.
In Deutschland scheiterten etablierte Parteien 1919 bei der Weimarer Nationalversammlung mit dem Ansinnen, den 1. Mai als nationalen, gesetzlichen Feiertag zu installieren. Erst am 10. April 1933 wurde der 1. Mai durch die Nationalsozialisten als „Feiertag der nationalen Arbeit“ in das Reichsgesetz aufgenommen. Jedoch am 2. Mai 1933 wurden die Gewerkschaften verboten. Die Verankerung des 1. Mai als Feiertag hat also in Deutschland keinen rühmlichen Ursprung. Nach dem 2. Weltkrieg „erlaubten“ die Alliierten, den 1. Mai auch in Deutschland als gesetzlichen Feiertag zu begehen.
Heute erinnern noch die Maikundgebungen der Gewerkschaften an das Durchsetzungsvermögen der amerikanischen Arbeiter, die den Start für gerechte Arbeitszeit und Entlohnung durch Einsatz ihres Lebens und ihrer Unversehrtheit markiert hatten.
Wer denkt heute noch darüber nach? Die 38- bis 40-Stunden-Woche, also knapp 8 Stunden arbeiten von montags bis freitags ist doch in den meisten Berufen üblich; und feiertags frei zu haben ebenfalls.
Dann stell dir einmal vor, es ist Feiertag und du erkrankst plötzlich ernsthaft oder hast einen schweren Unfall, doch kein Arzt, kein Sanitäter, kein Pflegepersonal in einem Krankenhaus, keine ehrenamtlichen Helfer, wie beispielsweise die Freiwilligen Feuerwehren, stehen zur Verfügung, denn alle feiern gemeinsam, zum Beispiel den 1. Mai mit seinen vielfältigen Veranstaltungen.
Also Leute, beim Anstoßen mit der ersten Halben Maibock auch einmal an diejenigen denken, die eben nicht dabei sein können, weil sie ihren beruflichen oder ehrenamtlichen Verpflichtungen auch an einem Feiertag nachkommen müssen und auch nachkommen wollen. Allen denen sollte unser Dank gelten.
Ihr Herausgeber