Michael Buschheuer folgte einer Einladung von Bündnis 90/ die Grünen, um in Bad Abbach über die private Seenotrettung Sea Eye zu berichten, die er im Herbst 2015 zusammen mit seiner Familie und Freunden gegründet hat.

Fast 70 Zuhörer folgten interessiert dem Vortrag, den Buschheuer mit bewegenden Aufnahmen der Rettungsaktionen ergänzte.
Michael Buschheuer, der Mitgründer der Seenotrettung Sea Eye bei seinem Vortrag  (Foto: Bündnis90/die Grünen)
Der Mut dieser Engagierten, zu helfen und nicht tatenlos zuzusehen, wie an Europas Aussengrenze unzählige Menschen ertrinken, hat dazu beigetragen, dass mit den Schiffen Sea Eye und Seefuchs 14 378 Flüchtende gerettet werden konnten.
Inzwischen sind die beiden Schiffe zum Nichtstun verurteilt, nachdem die private Seenotrettung von politischer Seite immer öfter kriminalisiert wird, indem man ihnen eine Zusammenarbeit mit Schleppern unterstellt, ebenso eine Mitschuld an der Zunahme der Flüchtlinge, die übers Mittelmeer nach Europa kommen.
Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Schleppertätigkeit und Flüchtlingszahlen nicht von der Präsenz der NGOs abhängig sind. Schwankungen in den Flüchtlingszahlen auf dieser Route hängen von der Verfügbarkeit weniger riskanter Wege und von den politischen Situationen in den Staaten Nordafrikas ab.
Nach Angaben der UNHCR wird befürchtet, dass die Zahl der Todesopfer in diesem Jahr, bei deutlich geringeren Flüchtlingszahlen, einen Höchststand erreichen wird, auch durch die Behinderung der NGOs, deren Hilfe fehlt.
Laut Buschheuer wird es den 11 privaten Seenotrettungsorganisationen auf Grund langwieriger Auseinandersetzungen zur Zeit unmöglich gemacht, Menschenleben zu retten.
Die Rettungsschiffe und Suchflugzeuge werden ohne Begründung von Italien und Malta blockiert.
Nachdem 2014 Mare Nostrum, eine Operation der italienischen Marine und Küstenwache eingestellt wurde, die mit vier Rettungsschiffen ständig im Einsatz waren, um Schleuser aufzugreifen und Menschen zu retten, starben Tausende im Mittelmeer. Mare Nostrum rettete mehr als 150 000 Menschen das Leben und nahm 728 Schlepper fest.
Eingestellt wurde die Operation auf Druck von Politikern, auch aus Deutschland. Kein anderes EU Land zeigte sich verantwortlich und Italien wurde finanziell alleine gelassen.
Man erklärte die Seenotrettung zur Fluchtursache.
Nach dem Ende von Mare Nostrum flüchteten die Menschen weiter. Sea Eye und die anderen NGOs wurden gegründet, da die EU dem Sterben tatenlos zusah.
Mit einem 200 Millionen - Abkommen zwischen der EU und Libyen wird die Regierung dort mit Waffen und Schiffen für seine Küstenwache versorgt, um die Menschen gewaltsam von ihrer Flucht abzuhalten.
Gleichzeitig werden Schiffe wie die Sea Eye daran gehindert, näher als 70 Seemeilen an die libysche Küste heranzufahren. Die seeuntauglichen Boote werden damit für die Flüchtenden zur tödlichen Falle.
Trotz der aussichtslosen Lage, Europa mit den Schlauchbooten übers Mittelmeer zu erreichen, nehmen die Menschen diese Risiken in Kauf, um den sklavenähnlichen Verhältnissen in den libyschen Elendslagern an der Grenze Europas zu entkommen. Misshandlungen, Ermordungen und Vergewaltigungen sind dort an der Tagesordnung.
Der 3-fache Familienvater Michael Buschheuer und das Sea Eye Team werden sich nicht unterkriegen lassen und weiterhin mit Zivilcourage für die unverhandelbare Haltung zum Menschenrecht auf Leben und Unversehrtheit eintreten, um das Leid im Mittelmeer zu lindern.
Sea Eye leistet keine Fluchthilfe und transportiert auch keine Flüchtenden. Ihre Aufgabe ist es, Menschen und Menschlichkeit zu retten, Todesfälle zu verhindern, indem sie Boote entdeckt, Schiffbrüchige sichert, Verletzte versorgt und Hilfe herbeiruft.
Nach einem langen Kampf gegen Widerstände wird die Sea Eye 2 demnächst zum Einsatz kommen.
Ausserdem wird der Motorsegler " Mission Bavaria One " als Menschenrechts - Beobachtungsmission vor der libyschen Küste patrouillieren. Primäre Aufgabe dieses unmittelbar einsatzbereiten Schiffes ist nicht die Rettung, sondern die Sichtbarmachung und Publikation der unglaublichen Dinge, die sich hinter dem Vorhang der Verborgenheit im Massengrab Mittelmeer abspielen.
Das Schiff kann keine Menschen aufnehmen, ist aber selbstverständlich mit den notwendigen Rettungsmitteln ausgestattet, denn jeder Mensch in Seenot hat ein Recht auf Rettung , jeder Kapitän die Pflicht zu retten.
Die Zuschauer waren sehr beeindruckt von der ehrenamtlichen Arbeit der Seenotretter um Herrn Buschheuer und zeigten dies durch eine hohe Spendenbereitschaft.