Droht gar eine Schließung des Bad Abbacher Naturbades?
Das Inselbad vom Zaun aus fogografiert (Foto: br-medienagentur)
Seit längerer Zeit sorgt das Bad Abbacher Inselbad für negative Schlagzeilen. Ein Schaden von rund 1,6 Millionen Euro beschäftigte die Gerichte. 1,6 Millionen Euro, die erforderlich sind, um den Betrieb des Naturbades aufrechtzuerhalten. 1 Million Euro davon sollen wegen einer Fehlplanung durch das Planungsbüro Rainer Grafinger verursacht worden sein, der sich jedoch offenbar ins Ausland abgesetzt hat und nicht erreichbar ist. Grafinger hat nicht nur das Bad Abbacher Inselbad, sondern auch für andere Gemeinden Naturbäder konzipiert. Bei einigen dieser Kommunen gab und gibt es ebenfalls Probleme, die den Betrieb der Bäder erheblich stören. Problematisch ist vor allem die Algenbildung, welche den Beckenboden der Bäder extrem glitschig werden lässt.
Der Bad Abbacher Kurier hat bei der Gemeindeverwaltung am 19. März 2018 per E-Mail eine Anfrage zur Problematik „Inselbad“ gestellt, bis dato aber keine Antwort erhalten. Nachfolgend die Fragen an die Gemeindeverwaltung:


- Laut Gutachten ist der Planer per Gerichtsurteil verpflichtet worden, einen Teil der Kosten für die Behebung der Schäden zu übernehmen. Da die Schäden jedoch für einen ordentlichen Betrieb des Bades behoben werden müssen, heißt das im Umkehrschluss, dass die Gesamtkosten der Marktgemeinde zufallen, da der Planer nicht auffindbar ist?
- Stimmt es, dass die Qualität des Badewassers des Naturbades eine der Ursachen für die Schadenssituation des Inselbades ist?
- Falls ja, welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um die Qualität des Wassers anforderungsgerecht zu verbessern?
- Ist es richtig, dass die Algenbildung durch den für Naturbäder überhöhten Phosphatgehalt verantwortlich ist?
- Stimmt es, dass sich das Inselbad seit längerer Zeit in einer Art „Notbetrieb“ befindet? Wenn ja, seit wann und wieviel Trinkwasser wurde benötigt, um die Wasserqualität zu gewährleisten?
- Ist eine Sanierung des Inselbades geplant? Falls ja, wann soll damit begonnen werden und welche Sanierungsmaßnahmen sind dann erforderlich?
- Muss bei einer Sanierung der Badebetrieb geschlossen werden und falls ja, für wie lange?
- Sind für die Sanierung bereits entsprechende Haushaltsmittel vorgesehen?
- Wie will die Marktgemeinde die Sanierungskosten finanzieren? Zumal auch bei einer Sanierung die Eintrittsgelder fehlen werden.

Nach Recherchen unserer Redaktion konnte zumindest folgendes eruiert werden:
Bei einem ähnlichen, vom selben Planer konzipierten Naturbades in Gaggenau traten ebenfalls erhebliche Algenprobleme auf. Als Ursache wurde der hohe Phosphatgehalt des Nachfüllwassers aus Trinkwasser ermittelt. Gaggenau soll deswegen extra Anlage zur Senkung des Phosphatgehalts angeschafft haben. Bezüglich des Phosphatgehalts wird in einem Gutachten, welches unserer Redaktion vorliegt, explizit festgestellt, dass für das Wasser eines Naturbades ein Phosphorgehalt von maximal 0,01 mg/L empfohlen wird, das Trinkwasser darf aber bis zu 6,7 mg/L enthalten, also den 670-fachen Wert wie das Badewasser in einem Naturbad. Wird für ein Naturbad Trinkwasser als Füllwasser verwendet, soll nach dem Gutachten bereits im Vorfeld eine chemische Analyse des Trinkwassers durchgeführt werden, um den Phosphatgehalt zu prüfen und die Eignung als Füllwasser festzustellen.
Unsere Redaktion hat auch bei der in dem Gutachten genannten Gemeinde Schöllkrippen über dessen Naturbad und deren Erfahrungen damit nachgefragt, da dieses Bad ebenfalls vom Planunsbüro Rainer Grafinger konzipiert worden ist. Der Bürgermeister von Schöllkrippen, Reiner Pistner, gab gerne Auskunft über das Naturbad von Schöllkrippen und den gemachten Erfahrungen. So ist nach Aussage des Bürgermeisters der Betrieb von Anfang an unproblematisch und auch die Betriebskosten konnten gegenüber einem gleich großen konventionellen Freibad, welches die Kommune vorher unterhielt um einen sechsstelligen Betrag jährlich gesenkt werden. „Wir haben mit unserem Wasser keine Phosphatprobleme.“ So Reiner Pistner, der sehr wohl über die Algenproblematik anderer Naturbäder Bescheid weiß. Auch der Bürgermeister von Schöllkrippen ist darüber informiert, dass nach Rainer Grafinger gefahndet wird. Bleibt Grafinger verschwunden, gibt es für das Bad Abbacher Inselbad nur zwei Möglichkeiten den Betrieb aufrecht zu erhalten:
Entweder muss die Kommune die Sanierungskosten aus dem eigenen Säckel finanzieren oder das Naturbad wird geschlossen. Es stellen sich allgemein die Fragen, die die Gemeindeverwaltung unserer Redaktion bis heute nicht beantwortet hat, obwohl die Verantwortlichen laut Bayrischem Pressegesetz zur Auskunft verpflichtet sind, aber auch die Frage, wer es versäumt hat, das Trinkwasser, also das Füllwasser, auf Eignung für das Inselbad zu prüfen.

Der Herausgeber kommentiert:
Obwohl das Bayerische Pressegesetz in Art. 4 Abs. 1 vorschreibt „Die Presse hat gegenüber Behörden ein Recht auf Auskunft. Sie kann es nur durch Redakteure oder andere von ihnen genügend ausgewiesene Mitarbeiter von Zeitungen oder Zeitschriften ausüben.“ wird dies von der Gemeindeverwaltung in Bad Abbach ignoriert. Dies geht soweit, dass im Zuge der Recherche zum Thema „Inselbad“ Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung eine Auskunft unter der Begründung verweigerten, ihnen sei untersagt worden über die Thematik Auskunft zu geben. Ebenso wurde mir untersagt das Inselbad zu betreten um Fotos vom derzeitigen Zustand des Inselbades zu machen.