Urnenanlage im Bad Abbacher Friedhof (Foto: br-medienagentur)

Zu den Überlegungen zur Neugestaltung und Erweiterung der Flächen im neuen Abbacher Friedhof schreibt Bürgerreporter Willi Knapp vom Bund Naturschutz:


Warum keine Biotope?


An Gedenktagen wie Allerheiligen, Allerseelen, Totensonntag oder Volkstrauertag rufen Staat und Kirchen im November die Bürger zum Erinnern an die Verstorbenen auf. Doch der Umgang mit der Trauer verändert sich, besonders in den Städten.
Früher dachte man: Wenn die Städte größer werden und die Einwohnerzahlen steigen, brauchen wir mehr Platz in den Friedhöfen.

Tatsächlich ist es heute genau andersherum, zumindest bei den großen Kommunen. Die Menschen sind mobiler gewordene. Viele werden nicht mehr dort bestattet, wo sie lange gelebt und gearbeitet haben, sondern dort, wo Angehörige sind oder wo die Grabstätten günstig und pflegeleicht sind.
Vielerorts gibt es seit einigen Jahren sinkende Bestattungszahlen und eine Trendumkehr. Wir haben heute 73 Prozent Urnenbestattungen und nur noch einen kleinen Teil klassische Erdbestattungen. Auch in Abbach wird das nicht viel anders sein. Vor 10, 15 Jahren war das Verhältnis noch umgekehrt. Schon im vielen Friedhöfen, siehe Pentling, bietet man Baum- und Rasengräber an. Dadurch entfällt die Grabpflege für Angehörige komplett. So etwas wird immer stärker nachgefragt. Warum verschläft Abbach diesen Trend? Warum wäre zum Beispiel eine Urnenanlage im Frauenbründl nicht eine würdige und naturnah Ruhestätte für die kommenden Generationen?
Freilich ist das für die Kommunen eine Herausforderung, denn die Einnahmen sinken natürlich, wenn die Grabflächen kleiner und weniger werden. Gleichzeitig müsste die Gemeinde vermehrt Flächen selber pflegen.
In der hessischen Großstadt Frankfurt ist der Hauptfriedhof ungefähr 70 Hektar groß. Man wird davon aber nur noch 3o-4o Hektar für Gräber benötigen. Also kann man die Restflächen für Biotope anlegen – und tat es auch! So sieht die Zukunft aus. Denn der Friedhof soll nicht nur (ungeliebte) Fläche für Gräber, sondern soll auch ein schöner schattiger Park, eine Erholungsfläche, eine grüne Lunge innerhalb einer Kommune sein!

Willi Knapp