Willi Knapp zur Sitzung des Abbacher Umweltausschusses vom 11. Oktober 2016:
Knapp
Weil ich als Zuhörer den Eindruck gewonnen habe, dass die Mitglieder des Ausschusses wenig mit dem Thema Klimaschutz anfangen konnten, will ich heute ein paar aufklärende Fakten nachliefern:

Klimaschutz ist ein Jahrhundertprojekt, das gelingt, wenn der Bund, die Länder und Kommunen an einem Strang ziehen und Verantwortung übernehmen. Dabei muss das gemeinsame Ziel sein, den Klimawandel zu begrenzen. Die wichtigste Zukunftsaufgabe ist deshalb, die drastische Reduzierung der Treibhausgase (CO2).
Laut Weltklimarat ist es notwendig, dass weltweit die Treibhausgasemissionen bis zum Jahre 2050 um 90 bis 95 Prozent reduziert werden.
Klimaschutz und die Umstellung auf Erneuerbare Energien ist das wichtigste umweltpolitische Projekt der Gegenwart. In dem Wissen, dass wir die Welt nur von unseren Kindern geborgt haben, müssen wir Antworten auf die energiepolitischen Fragen in unserer Gemeinde finden. Indem wir die Strom- und Wärmeproduktion langfristig auf emissionsfreie Alternativen (Solarenergie, Kraft-Wärme-Kopplung) umstellen. So können wir Wegbereiter einer klimafreundlichen Zukunft werden.
Es ist eine dritte industrielle Revolution im Gange, an deren Ende eine sichere und bezahlbare Energieversorgung für Alle stehen muss! Wir Gemeindebürger können genauso wie unsere Kommune dazu beitragen, den Energieverbrauch und den CO2-Ausstoß zu senken. Der Treibhausgasausstoß ist in unserer Gemeinde innerhalb weniger Jahre um weit über 10 Prozent angestiegen. Wir verfehlen das Klimaschutzziel der Weltklimakonferenz bei weitem!
Deshalb müssen sich auch bei uns Mandatsträger und Bürger zusammensetzen und über die Reduzierung des Treibhausgas-Ausstoßes beraten.
Klimaschutz und Energiewende können insgesamt nur gelingen, wenn die Bürgerinnen und Bürger sich aktiv an den Veränderungen beteiligen und sie mitgestalten. Deshalb ist dieses Jahrhundertprojekt nur als ein umfassender Beteiligungsprozess und auf der Basis einer Politik des Gehörtwerdens denkbar.
Der Klimawandel ist bei uns längst Realität und die Wetterextreme werden in den kommenden Jahren zunehmen. Die durchschnittliche Jahrestemperatur ist in den letzten hundert Jahren um ein Grad angestiegen. Hitzeperioden bereiten insbesondere älteren Bürgerinnen und Bürgern gesundheitliche Probleme. Das Risiko von Waldbränden und landwirtschaftlichen Ernteausfällen steigt. Häufiger wiederkehrende Starkregen, Stürme und „Jahrhundert-Hochwasser“ können das andere Extrem sein.
Die Stromerzeugung mittels Photovoltaik muss ausgebaut werden. Gemeinsam mit dem Handwerk und der Photovoltaikbranche muss die Gemeinde für eine kosteneffiziente und haushaltsnahe Art der Stromerzeugung werben. Mehr noch: Überall dort, wo es möglich und sinnvoll ist, sollten wir die gemeindeeigenen Dächer als Flächen zur Energiegewinnung mit Photovoltaik nutzen. Bürgerenergie-Genossenschaften sind wichtige Akteure der Energiewende geworden.
Beim Zusammenspiel von Strom- und Wärmewende spielt die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) eine zentrale Rolle. Blockheizkraftwerke (BHKW) können auch bei uns einen wichtigen Beitrag zur Dezentralisierung der Erzeugung und der Stabilisierung der Stromversorgung leisten. Im Wärmebereich kann die Kraft-Wärme-Kopplung insbesondere in Verbindung mit Nahwärmenetzen für einen wesentlich effizienteren Energieeinsatz sorgen.
Willi Knapp