Informationsveranstaltung der Tennet in Bad Abbach
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Für etwas Aufregung in der Bevölkerung sorgte in Bad Abbach die Nachricht, dass die Tennet TSO GmbH den Bau einer Erdkabeltrasse von Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt bis Ohu bei Landshut in Niederbayern plant und diese Trasse auch Gemeindeteile tangieren könnte. Deshalb stellte die Tennet im Rahmen einer Erstinformationsveranstaltung den möglicherweise betroffenen Bürgern der Orte, an denen die Stromtrasse vorbeiführen könnte, im Kurhaus Planungsentwürfe vor und stand dazu Rede und Antwort.

Hintergrund ist, dass im Norden von Deutschland, unter anderem durch die Windkraftwerke, zum Teil ein Stromüberschuss zur Verfügung steht, im Süden jedoch zeitweise Strom zusätzlich benötigt wird. Grund für diese Situation ist auch der Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland. Durch die geplante Abschaltung von Atomkraftwerken muss der Strombedarf aus anderen Energieerzeugungsquellen gedeckt werden. Da aber gleichzeitig die Stromerzeugung wegen des Co2-Ausstosses nicht mehr von Braunkohle- oder Erdgaskraftwerken erfolgen soll, entsteht eine mögliche Unterdeckung des Strombedarfes. Gerade aber im Norden Deutschlands sind durch den Bau von großen Windkraftparks und den Wasserkraftwerken in Skandinavien hohe Strommengen vorhanden, die es nun nach dem stromhungrigen Süden zu transportieren gilt. Große Überlandleitungen für den Transport des Stroms von Nord nach Süd sind jedoch nicht vorhanden. Daher muss nun eine Stromkabellinie von Nord nach Süd errichtet werden. Um die Bürger in die vorgesehene Planung so früh wie möglich einzubeziehen, wurden deswegen entlang der ersten möglichen Trassenführung die Bürger der möglicherweise betroffenen Orte zu Informationsveranstaltungen eingeladen. Lobenswert ist, dass die Veranstaltungen nicht in Form eines Vortrages erfolgen, sondern wie eine Ausstellung aufgebaut sind und Mitarbeiter der Tennet TSO GmbH für Auskünfte zur Verfügung stehen. So auch in Bad Abbach im Kursaal. Anhand von Plakaten, einem Muster der zukünftigen Erdkabel für den Stromtransport und Informationsmaterial konnten sich die Bürger informieren und zusätzlich Auskunft von den Mitarbeitern der Tennet TSO GmbH erhalten.
Doch was ist nun das Besondere am Stromtransport per Erdkabel?
Bisher wurde der Stromtransport für größere Entfernungen mittels Hochspannungsleitungen über Land geführt. Der Stromtransport mittels Erdkabel ist zwar von den Gestehungskosten her wesentlich teurer als die übliche Überlandleitung, hat aber dafür langfristig enorme Vorteile zu bieten. Nicht nur, dass die Landschaft nicht so stark belastet wird, sondern auch die Wartungs- und Instandhaltungskosten sind bei der Erdverkabelung geringer. Zudem ist das Erdkabel durch die Verlegung in circa 2 m Tiefe auch vor Witterungs- und Wettereinflüssen geschützt. Außerdem erfolgt der Stromtransport beim Erdkabel in Gleichstromtechnik und nicht wie bei den Überlandleitungen in Wechselstromtechnik und die Gleichstromtechnik bietet höhere Übertragungskapazitäten bei gleichzeitig geringeren Übertragungsverlusten. Wichtig beim Stromtransport per Erdkabel sind dabei noch folgende Punkte:
Oft wird eine mögliche Beeinträchtigung durch Magnetfelder des Erdkabels befürchtet. Dem ist aber nicht so, bekräftigte Pressesprecher Markus Lieberknecht von der Tennet, da die Stärke des Magnetfeldes des Erdkabels gerade einmal 15 Mikrotesla beträgt, der zulässige Grenzwert liegt bei 500 Mikrotesla. Da aber das Kabel in 2 m Tiefe liegt, ist selbst dieser geringe Wert vernachlässigbar. Anders sieht es dagegen bei den üblichen Überlandleitungen aus. Hier sollte man nicht gerade darunter wohnen und zumindest einen gewissen Abstand halten.Tennet1
Von den Landwirten wird zudem eine mögliche Erwärmung des Bodens befürchtet, welche zur Austrocknung der Äcker führen könnte. Dazu ist anzumerken, dass selbst bei Dauervolllastbetrieb einer Erdkabelleitung die Außentemperatur des Kabels maximal 40° C erreicht. Da aber das Kabel tief genug eingebracht wird, führt auch dies beim Fruchtboden rund 1,5 m darüber zu einer maximalen Erwärmung um 1° C.
Wie erfolgt die Planung für die Stromtrassen im Detail?
Ausgangspunkt der Planung ist eine Ideallinie in Form einer Luftlinie zwischen dem Ausgangspunkt und dem Ankunftspunkt. Da aber die Landschaft zwischen den beiden Punkten geologisch sehr unterschiedlich ist, wird dann anhand der geografischen Gegebenheiten die Trassenführung an die Geologie mit einer Breite von rund 1000 m grob ermittelt. Innerhalb dieser 1000 m breiten Trasse erfolgt dann die Feinplanung der möglichen Stromkabeltrasse.
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(die Punktlinie stellt die Luftlinie dar, die grauen dicken Linien die Varianten der Trassenführung)
Innerhalb der 1000 m breiten Trasse wird eine in etwa 35 m breite Trasse für den Bau gewählt, die dann endgültig auf 15 m verringert wird. Anhand der Grafik ist ersichtlich, dass eine der möglichen Stromkabeltrassen an Bad Abbach, genauer bei Alkofen/Lengfeld, vorbeiführen würde. Die Trasse würde bei Kapfelsberg die Donau unterqueren, um dann bei Alkofen/Lengfeld Richtung Teugn und zwischen Schierling und Langquaid weiter nach Landshut zu laufen.
Entscheidend für die Planung der Stromkabeltrasse sind jedoch noch ganz andere Faktoren. Für die Planung sind sogenannte Raumwiderstände maßgeblich, das heißt, Naturschutzgebiete, Wasserschutzgebiete, archäologisch wertvolle Gebiete und eventuell dankmalschutzwürdige Anlagen sollten nach Möglichkeit umgangen werden.
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Der Ablauf der Planung beginnt daher mit der Informationsveranstaltung für die Bürger. Das eigentliche Planverfahren beginnt mit einem Raumordnungsverfahren, bei dem sämtliche Fachbehörden, Kommunen, Landkreise und die Bezirksregierung miteingebunden sind. Innerhalb dieses Verfahrens ist nochmals eine umfassende Bürgerbeteiligung im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens vorgesehen. Federführend für die gesamte Planung ist dabei nicht die Tennet TSO GmbH, sondern die Bundesnetzagentur. Bis etwa 2018/19 wird die Vorplanung beendet sein. Dann erst wird das zuvor beschriebene Planungsverfahren beginnen und voraussichtlich 2022 beendet sein. Erst dann kann die Verlegung der Stromkabel beginnen, die wahrscheinlich rund drei Jahre dauern wird. Die Inbetriebnahme der Stromkabel wird dann voraussichtlich frühestens im Jahr 2025 erfolgen.