Logo editorial„Es gibt Tage, wo man so traurig ist, dass man sich noch trauriger machen möchte.“
(Gustave Flaubert)

Der August: Ein Monat, bei dem man an Hochsommer, Hitze und Sonnenschein, Ferien und Urlaub und Feste feiern denkt. Doch die schrecklichen Ereignisse der vergangenen Wochen stecken einem wie ein steinharter Kloß im Hals und tragen nicht zu einer beschwingten, unbeschwerten Heiterkeit bei. Urlaubspläne werden verworfen: Ist man in diesem oder jenem Land sicher? Von langer Hand vorbereitete Festivitäten werden kurzfristig abgesagt, denn Deutschland trauert, Frankreich trauert, ja die Welt trauert mit ob der terroristischen, heimtückischen Attentaten, bei denen unschuldige Menschen von einer Sekunde auf die andere zu Opfern wurden. Leben wurden ausgelöscht und diejenigen, die mit dem Leben, teilweise schwerverletzt, davon gekommen sind, werden immer und immer wieder an das Geschehen erinnert werden, auch die Angehörigen und die Hinterbliebenen der Verstorbenen. Für sie steht das Leben urplötzlich still.


Die französische Chansonette Françoise Hardy, den Älteren unter Ihnen sicher noch gut bekannt, sang Mitte der 1960er Jahre: „Frag den Abendwind, wo das Glück beginnt – Aber frage nicht, woran es manchmal zerbricht“. „Warum?“ hört man oft, liest man auf Zetteln, die empathische Mitmenschen an den Orten der Verbrechen ablegen. Auf dieses „Warum“ gibt es keine Antwort. Und die mehr als flapsige Äußerung einiger Zeitgenossen „Zur falschen Zeit am falschen Ort“ kann ich nicht mehr hören. Es kann jeden von uns, irgendwo, irgendwann, ebenso treffen. Kismet!
In Anbetracht der zig Opfer extremistischer, radikal politischer oder religiöser Fanatiker weltweit, erscheinen die eigenen Probleme in einem ganz anderen Licht, auch wenn sie nicht klein zu reden sind, sie sind im Verhältnis gesehen wie – sorry – Fliegenschiss an der Wand.
Die Angst vor weiteren Attentaten geht um; Menschen meiden nach Nizza und Augsburg Großveranstaltungen oder haben nach dem Würzburger Axtangriff in einem Zug und dem Amoklauf in einem Münchner Einkaufszentrum ein mulmiges Gefühl, wenn sie überhaupt unter Menschen gehen. Doch das ist die falsche Reaktion, denn das ist es ja gerade, was Attentäter und Amokläufer bezwecken: Angst und Unsicherheit zu schüren. Ich halte es mit dem deutschen Liedermacher Konstantin Wecker. Er ruft zur friedlichen Revolution auf, weg von der Kälte zur Wärme, hin zur Vernunft und zur Liebe, wie wir es kennen von Gandhi und einem Mann aus Nazareth. Zeigen wir Mut und Stärke und mehr Mit- statt Gegeneinander!
Und dennoch bleiben Furcht und Schrecken, Sorge und Beklommenheit in unserem innersten Inneren. Nehmen wir uns die Kinder als Beispiel, die noch unbeschwert lächelnd durchs Leben gehen können, währenddessen wir Erwachsenen trauern, uns aber trotzdem nicht unterkriegen lassen (sollten):
„It is the evening of the day
I sit and watch the children play
Smiling faces I can see but not for me
I sit and watch as tears go by”
(Quelle: “As Tears go by” – The Rolling Stones)