Krisenstab und Helfer arbeiteten Hand in Hand

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Am Sonntagmorgen gegen 4:00 Uhr ereignete sich direkt vor der Schleuseneinfahrt bei Poikam, einem Ortsteil von Bad Abbach, eine schwere Havarie des Flusskreuzfahrtschiffes „Viking Tor“ an der Eisenbahnbrücke. Wie sich herausstellte, wurde das Schiff bei der Anfahrt zur Poikamer Schleuse, bedingt durch die hohe Strömungsgeschwindigkeit des Wassers und den erhöhten Wasserpegel der Donau, vom Heck her quergestellt und mit der Längsseite an die Gründung der Brückenpfeiler gedrückt.

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Das Personal auf der Kommandobrücke konnte das Schiff aus dieser Lage nicht mehr selbst befreien, da der Wasserdruck auf das Schiff die eigene Motorleistung überstieg. Nach einer ersten behelfsmäßigen Sicherung und Stabilisierung des Schiffes durch die alarmierten Einsatzkräfte, wurden 186 Passagiere und von den 51 Crew-Mitgliedern 41 evakuiert; 10 verblieben auf dem Schiff. Der Bad Abbacher Kurier war ab 10:00 Uhr vor Ort und konnte mit verschiedenen Einsatzleitern sprechen.

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Wie Polizeihauptmeisterin Birgit Voit berichtete, bestand für die Passagiere, Amerikaner und Kanadier, und die Crew jedoch keine akute Gefahr. Neben der Polizei Havarie17waren laut Nikolaus Höfler, Kreisbrandmeister und Einsatzleiter der Feuerwehr, insgesamt 250 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Bad Abbach und den Gemeindeteilen sowie Kelheim, des Technischen Hilfswerks, des BRK und der Wasserwacht im Einsatz. Eine der vielen Sicherungsmaßnahmen war, die Schiffsfenster, welche nur knapp über der Wasserlinie, durch Balken zu schützen, damit sie nicht durch Treibholz beschädigt wurden und dadurch Wasser in das Schiff hätte gelangen können. Dies wäre fatal gewesen, hätte bewirkt, dass das Schiff Schlagseite bekommen hätte und es eventuell drohte zu sinken. Vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Regensburg war Jürgen Schillinger zur Einsatzleitung hinzugezogen worden. Als weiteren Experten holte er noch zusätzlich den Nautiker Hans Kerber hinzu. Die Bergungslage war schwierig, da zum einen die Donau, bedingt durch das regnerische Wetter der letzten Wochen mehr Wasser führt wie üblich, und zum anderen sehr viele Fachstellen in die Planung der Bergung miteinbezogen werden mussten. Havarie18

Wie Jürgen Schillinger darlegte, bereitete vor allem der hohe Wasserdurchfluss von rund 1.000 m³ pro Sekunde große Sorgen. Ein weiteres Problem war die leichte Schieflage des Schiffes. Durch den hohen Wasserdruck wurde das Schiff auf die unter dem Wasser liegende Sand- und Steinbank eines Brückenpfeilers gedrückt. Selbst wenn man das Schiff, wie geplant, hätte wegziehen können, musste dabei höchste Aufmerksamkeit darauf gelegt werden, dass das Schiff nicht noch mehr in Schieflage gerät. Nach längerer Beratung in der Einsatzleitung entschloss man sich schließlich gegen 13:30 Uhr mit Hilfe des Schubschiffes „Paula“ das Heck der „Viking Tor“ mit einem extra starken Stahlseil an die „Paula“ anzuhängen und das Schubschiff sollte dann versuchen, das havarierte Schiff entgegen der Strömung vom Heck her wieder mit der Längsseite parallel zur Strömungsrichtung zu bekommen. Dazu musste der Stauwehrbetreiber, das Energieunternehmen Eon, hinzugezogen werden. Durch eine kontrollierte kurzzeitige Schließung von zwei Schleusentoren sollte der Wasserstand der Donau so weit angehoben werden, dass das Schiff zum einem von der Sandbank angehoben wird und zum anderen sich dadurch auch die Fließgeschwindigkeit der Donau in dieser Zeit verringert und der Strömungsdruck vermindert wird, um das Drehen der „Viking Tor“ zu erleichtern. Um 13:30 Uhr war es dann soweit: Die zwei Schleusentore wurden geschlossen, der Zugverkehr auf der Strecke gestoppt, das Schubschiff „Paula“ wurde mit einem Stahlseil mit der „Viking Tor“ verbunden.

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Langsamer als erwartet stieg der Wasserpegel an und das Schubschiff begann zu ziehen. Gespannt blickten Einsatzleitung, Einsatzkräfte und auch der Bürgermeister von Kelheim, Horst Hartmann, sowie Landrat Dr. Hubert Faltermeier, die zwischenzeitlich hinzugekommen waren, auf die beginnende Bergung der „Viking Tor“. Nach rund 20 Minuten musste der Versuch aber wieder abgebrochen werden. Die Drehung der „Viking Tor“ ging zu langsam und die Gefahr, dass aufgrund des immer noch hohen Strömungsdruckes, das Schiff doch zu sehr in Schieflage geraten und unter die Wasserlinie gedrückt werden konnte, war doch zu groß. Kontrolliert wurde daher die „Viking Tor“ wieder in die ursprüngliche Position zurückgebracht und gesichert.

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Eine weitere Besprechung der Einsatzleitung und des Kapitäns des Schiffes wurde notwendig. Gegen 14:45 Uhr wagte man einen neuen Bergungsversuch. Diesmal wurde abgewartet, bis der Wasserstand durch Aufstauung noch höher als beim ersten Versuch wurde. Damit einhergehend verringerte sich auch der Strömungsdruck auf das Schiff. Die „Viking Tor“ ist 135 Meter lang und hat einen Tiefgang von 2 Metern, das bedeutet, dass auf das Schiff dadurch, dass es quer zur Strömung stand bei einem Wasserdurchfluss von 1.000 m³, eine Tonne pro m² und somit 270 Tonnen permanent auf das Schiff drücken. Und dann tatsächlich, begann das Schiff langsam sich mit Eigenantrieb und der Hilfe des Schubschiffes zu drehen.

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Immer weiter konnte das Heck in Strömungsrichtung gezogen werden und nach rund 20 Minuten war das Schiff wieder mit der Längsseite parallel zur Strömung ausgerichtet. Das Schiff wurde dann vom Schubschiff „Paula“ erst einmal aus der Gefahrenzone gezogen und sollte dann entweder in sicherem Abstand zur Stauanlage und der Schleuse vor Anker gehen oder gleich bis zum Kelheimer Hafen gezogen werden.

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Die beteiligten Einsatzkräfte und die Einsatzleitung waren erleichtert, dass beim zweiten Bergungsversuch alles klappte. Jürgen Schillinger bedankte sich bei den Einsatzleitern und den Einsatzkräften für den mustergültigen Ablauf des Einsatzes und betonte nochmals die hervorragende Zusammenarbeit der verschiedenen Einsatzabteilungen. Der Zugverkehr konnte kurz danach wieder freigegeben werden und der Schifffahrtsverkehr wird ebenfalls bald wieder freigegeben sein, sofern nicht ein weiterer Anstieg des Wasserpegels eine generelle Aussetzung des Schiffsverkehrs erfordert. Die „Viking Tor“ wird nun einer eingehenden Untersuchung der weiteren Fahrtauglichkeit unterzogen werden und soweit keine größeren Schäden feststellbar sind seine Weiterfahrt beginnen können. Die evakuierten Passagiere und Crew-Mitglieder warten in Regensburg bereits auf die Weiterfahrt.

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