„Der 1. April ist der Tag, an dem wir uns erinnern sollen, was wir 364 Tage im Jahr sind: Nämlich Narren.“
(Mark Twain)

Logo editorialBereits in der Antike spielte man im Frühjahr zum Fest der Venus, die auch den Beinamen Aprilis führte, Streiche mit seinen Mitmenschen und versuchte, andere in die Irre zu führen. Belegbar ist, dass Mitte des 16. Jahrhunderts, genau im Jahr 1564, Karl IX. den bis dahin am 1. April gefeierten Neujahrstag auf den 1. Januar verlegte. Die zur damaligen Zeit üblichen Neujahrsgeschenke zum 1. April fielen weg. Ergebnis: Weil man um diese Gaben gebracht wurde, tischte man anderen Lügengeschichten auf oder foppte sie mit üblen Scherzen. Diese (Un-)Sitte wird bis heute beibehalten. Sicher wurden auch Sie, liebe Leserin, lieber Leser, bereits öfter in ihrem Leben „in den April geschickt“.

Und wenn Sie nur ein Zeitgenosse mit der Bitte, aus der Apotheke das Medikament „Ibidum“ (steht für „Ich bin dumm.“) für ihn zu besorgen, verulkt hat. In rezenter Zeit haben sogar die Medien, wie Tageszeitungen und TV, den Brauch für sich entdeckt und verbreiten Nachrichten, die auf den ersten Blick als ernsthaft von Leser- und Zuhörerschaft aufgenommen werden und erst auf den zweiten Blick – oder gar nicht – als Joke erkannt werden.
In Anbetracht der schrecklichen Ereignisse vergangener Tage/Monate/Jahre, verursacht durch islamistische Terroristen, die vermeintlich im Namen ihrer Religion weltweit mit ihren Anschlägen Angst und Schrecken verbreiten, und der Kriege, die Mitmenschen dazu zwingen, ihr Land, ihre Heimat zu verlassen und auf unmenschlichen Fluchtwegen ihr Heil suchen sowie der vielen Opfer, die durch Terror und Flucht ihr Leben lassen mussten, werden wir in diesem Jahr auf April-Scherze jeglicher Art verzichten.
Mark Twain meint zwar, dass wir das ganze Jahr über alle Narren sind und uns am 1. April daran erinnern sollen, doch hier irrt der Schriftsteller, denn ein Extremist ist eben kein Narr nach der herkömmlichen Definition. Laut Duden ist ein Narr zum einen ein Karnevalist, der ausgelassen, meist verkleidet, feiert, zum anderen war früher ein Narr an Fürstenhöfen und im Theater der Spaßmacher in bunter Kleidung mit Schellen und Narrenkappe, ein Narr ist aber auch ein törichter, dümmlicher Mensch, der sich leicht täuschen und in die Irre führen lässt. Extremisten fallen also aus diesem Bedeutungsraster heraus. Sie verkleiden, vermummen sich, sind aber keine karnevalistischen Narren; ihr Handeln ist blutiger Ernst und ihre Anschläge und geführten Kriege kalkuliert. Man kann nur hoffen, dass den Terroristen bald das Handwerk gelegt wird, dass global gegen diese Kriminellen mit allen Mitteln vorgegangen wird und nicht noch mehr Opfer zu beklagen sein werden.
Uns jedenfalls liegen Scherze zum 1. April fern. Wir sind traurig ob der Geschehnisse und unsere Empathie gilt den Opfern und den Hinterbliebenen sowie den Rettungskräften.
Nichtsdestotrotz wollen wir Sie, liebe Leserin, lieber Leser, nicht melancholisch in den April schicken, sondern mit Joachim Ringelnatz, im Hinblick darauf, dass sicher auch wieder bessere Zeiten kommen, etwas aufheitern:


Das Ei
Es fiel einmal ein Kuckucksei
Vom Baum herab und ging entzwei.
Im Ei da war ein Krokodil;
Am ersten Tag war’s im April.