Asklepios-Team aus Bad Abbach mit Interplast in Khandwa
Bad Abbach, 4. Februar 2016. Unvorstellbares, menschliches Leid, katastrophale hygienische Zu-stände aber auch grenzenlose Hilfsbereitschaft, Herzlichkeit und Gastfreundschaft: Kinderor-thopäde und Oberarzt Dr. Jan Matussek und Anästhesiepfleger Jürgen Jäckle vom Asklepios Klinikum Bad Abbach erlebten bei ihrem Hilfseinsatz im zentralindischen Khandwa eine Reise der Extreme. Als Mitglieder eines elfköpfigen, internationalen Einsatzteams aus Ärzten, Intensivmedizinern und Pflegekräften führte sie der Weg im vergangenen November ins Katholische Pampuri Hospital. Dort betreut die gemeinnützige Organisation Interplast die Ärmsten der Armen mit medizinischer Versorgung und plastischer Chirurgie.

PM Indien Jaeckle


Gaumen-Lippen-Spalten, Fehlbildungen nach Kinderlähmung, Klumpfüße, Beinachsdeformitäten, Tumore in Gesicht und an den Händen. Wer in Indien an angeborenen Fehlbildungen oder zugezogenen Verbrennungen leidet, der muss sich die Behandlung selbst finanzieren. „Der indische Staat unterstützt nur die medizinische Basisversorgung finanziell“, erklärt Jürgen Jäckle. Für einen Großteil der über 100 Millionen Zentralinder, der als Tagelöhner über keinerlei finanzielle Mittel verfügt und meist nicht versichert ist, eine Unmöglichkeit. „Hier springen ausländische und spendenfinanzierte Organisationen, wie ProInterplast Deutschland als Mediatoren zur praktischen Hilfe ein und schicken ganze Ärzte-Teams samt Operations-Ausrüstung zu den lokalen Kooperationspartnern“, sagt Dr. Jan Matussek. So auch im vergangenen Jahr.

Zwei Tage dauerte die Anreise über Dubai, Neu Delhi und Indore nach Khandwa – bei beschwerlichen, hochsommerlichen Temperaturen. „Wir reisten mit insgesamt 50 Kartons medizinischem Equipment an“, erzählt Jürgen Jäckle. „Ein besonderer Dank geht hier an die Firmen Wolfgang Huber und Livanova für die Sachspenden. Ohne sie wäre ein solcher Einsatz nicht finanzierbar.“ Vor Ort erwartete die Helfer eine sehr herzliche Empfangszeremonie seitens der Ordensleute und der lokalen Sponsoren – eine schöne Geste, doch die Gewissheit, im Anschluss bei dem großen Ansturm an bedürftigen Kindern und Frauen eine Vorauswahl der zu operierenden Patienten treffen zu müssen, wog schwer. „Bei rund 300 vorgestellten Bedürftigen konnten für die rund neun OP-Tage mit jeweils drei Operationstischen und –teams etwas mehr als 90 Patienten für 140 Eingriffe ausgewählt werden“, so Dr. Matussek.
90 Patienten in neun Tagen
Bei ihrem Einsatz stießen die Helfer immer wieder auf Probleme. „Aus anästhesiologischer Sicht bestand die Hauptproblematik darin, dass wir auf völlig unbekannte Narkosegeräte trafen, mit denen nur eine Handbeatmung oder eine Narkose in Spontanatmung möglich waren“, erklärt Jäckle. Auch die Versorgung mit Narkosegas und Medikamenten stellte das Team vor einige Herausforderungen. „Dazu kam, dass bei vielen der brandverletzten Patienten Hals und Brustbereich derart verwachsen waren, dass wir des Öfteren massive Beatmungsprobleme hatten.“ Auch eine postoperative Schmerztherapie sei bis zum Einsatz unbekannt gewesen. Dazu kommen miserable hygienische Zustände.
So groß die Herausforderungen auch gewesen sind – während der neun Behandlungstage wuchs das Team zusammen, „angetrieben von der Kürze der Zeit und Anzahl der Patienten“, betonen Dr. Matussek und Jäckle. „Unterkunft und Verpflegung wurden von den ‚Brothers‘ im Konvent liebevoll organisiert.“ Während der OP-Einsätze umschwebte die Crew „ein Heer an Hilfspersonen, Schwestern und Technikern.“ Sie haben unter den einfachen Bedingungen für einen vorbildlich reibungslosen Ablauf gesorgt, unter anderem mit nicht immer leichten Übersetzungsdiensten. „Für Aufklärungen, Einwilligungen in vorgeschlagene Operationen aber auch für die akkurate Vorbereitung der Patienten auf die Narkosen und das Pflegemanagement der Stationen ist das unerlässlich.“
Noch am Abreisetag prüften die Mediziner ein letztes Mal den Zustand aller kritischen Patienten mit ihren frisch verbundenen Wunden und gaben den versorgenden Ordensschwestern Instruktionen. „Glücklicherweise kam es auch in diesem Jahr zu keinerlei Heilungsstörungen bei den doch recht großen operativen Eingriffen“, freuen sich Dr. Matussek und Jäckle. Beide ziehen ihr ganz persönliches Fazit: „Die großartige Gastfreundschaft der Inder war überwältigend. Es war aber auch ein erfüllendes Gefühl, etwas von seinem medizinischen Knowhow an eine sehr unterprivilegierte Bevölkerungsgruppe weitergeben zu können. Auch wenn es nur ein kleiner Beitrag zur Genesung der betroffenen Person ist, so kann man doch mit Recht behaupten, dass der humanitäre Einsatz zumindest den Kindern einen besseren Start in eine nicht immer gewisse Zukunft ermöglicht.“

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