Logo editorial„Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser wird, wenn es anders wird, aber so viel kann ich sagen: Es muss anders werden, wenn es gut werden soll.“
(Georg Christoph Lichtenberg)

Der Gedanke zum neuen Jahr von Georg Christoph Lichtenberg, einem deutschen Physiker und Aphoristiker, der im 18. Jahrhundert lebte und wirkte, trifft auf vieles und viele zu.
Denn auch Sie, liebe Leserin, lieber Leser, haben sich bestimmt zum Jahreswechsel Gedanken darüber gemacht, was sich gegenüber dem alten Jahr ändern muss, damit das neue Jahr gut wird. Die ganz persönlichen „guten Vorsätze“ sind allgegenwärtig: Das Rauchen endlich aufgeben, mehr Sport treiben, sich bewusster ernähren, einen Streit endlich beilegen, und, und, und. Doch sobald der Neujahrskater sich wieder verabschiedet hat, sind mit ihm auch die „guten Vorsätze“ wieder verschwunden.

Ausreden, wie beispielsweise, ein kleines Laster muss der Mensch doch haben, beruhigen das schlechte Gewissen und es geht im alten Trott weiter. The same procedure as every year! Per se eigentlich zu akzeptieren, wenn es die eigene Person betrifft. Denn diese kleinen „guten Vorsätze“, die dann doch nicht eingehalten werden, sind im Vergleich zu dem, was global betrachtet anders werden muss, wenn es ein gutes neues Jahr werden soll, wie Fliegenschiss auf der Tapete, also marginal. Gefragt ist hier aber nicht nur die große Politik, sondern bei manchen Themen auch jeder Einzelne selbst.
Was muss anders werden, um dem wiederaufkommenden Nationalismus, trotz des Ziels eines vereinten Europas, entgegen zu treten?
Was muss anders werden, um Flüchtlingen aus Krisen- und Kriegsgebieten in einem fremden Land eine neue Heimat zu geben?
Was muss anders werden, um die zunehmende Herrschaft des Pöbels mit brauner Gesinnung zu unterbinden?
Was muss anders werden, damit Zugehörige aller Weltreligionen ohne Ressentiments friedlich zusammenleben können?
Nur ein paar Beispiele, einfach so in den Raum gestellt ... Bleibt nur die Frage: WER muss WAS WIE ändern, damit alles gut wird? „Dialog“ und „Kompromiss“ statt stures Beharren ohne Gesprächsbereitschaft wären Lösungsansätze. Und apropos STURES BEHARREN: Wie kann es einer Landesregierung, geführt von einer Partei mit dem C – also christlich – im Namen, einfallen, beschließen zu wollen, dass nur noch Flüchtlinge mit einem Ausweis einreisen dürfen? Da fehlen einem die Worte! Haben die Väter dieser glorreichen, weil am sonntäglichen Stammtisch diskussionstauglichen, Idee vergessen, dass im Grundgesetz klar geregelt ist, wer aufgenommen werden muss? Hat man vergessen, dass im Nazi-Deutschland Verfolgte auch nicht immer ihren Ausweis mitnehmen konnten, und trotzdem in anderen Ländern Zuflucht fanden? Und wie steht es mit den Asylsuchenden, die einen Ausweis haben? Wer stellt denn sicher, dass just so ein vorgelegter Ausweis nicht zu den gefälschten aus Syrien gehört? Der Schutz der Bevölkerung vor fanatischen Extremisten, die sich eventuell unter die Flüchtlinge gemischt Einreise nach Deutschland verschaffen, hat ohne Wenn und Aber oberste Priorität. Doch würden genau diese IS-Terroristen den Fehler begehen, ohne Ausweis einreisen zu wollen?
Mon Dieu, so weit wollten wir nicht abschweifen, sondern Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, in goethescher Manier folgendes mit auf den Weg durch das Jahr 2016 geben:
„Im neuen Jahre Glück und Heil,
Auf Weh und Wunden gute Salbe!
Auf groben Klotz ein grober Keil!
Auf einen Schelmen anderthalbe!“

Ihr
Herausgeber