Projektstelle geschaffen, um Möglichkeiten auszuloten – Steuerungsgruppe beginnt mit der Arbeit

Die Steuerungsgruppe für den grenzüberschreitenden Verkehr nahm unter Regie von Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich (rechts) die Arbeit auf. (Foto: Melanie Bäumel-Schachtner)Die Steuerungsgruppe für den grenzüberschreitenden Verkehr nahm unter Regie von Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich (rechts) die Arbeit auf. (Foto: Melanie Bäumel-Schachtner)Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs vor 30 Jahren ist die Grenzregion Bayern-Tschechien zusammengewachsen. Und zwar im wirtschaftlichen, sozialen und touristischen Bereich. Was nach wie vor fehlt, sind verbesserte Möglichkeiten, auch ohne Auto von Bayern nach Südböhmen und Pilsen und umgekehrt zu kommen.
Auf dem Weg zu einem gemeinsamen ÖPNV ist nun ein entscheidender Stein ins Rollen gekommen: Es ist eine neue Personalstelle, ein Projektmanager, geschaffen worden, angesiedelt beim Trägerverein der Europaregion Donau-Moldau e. V. in Freyung. Gefördert wird diese Stelle für 15 Monate vom Staatsministerium der Finanzen und für Heimat mit einer Förderquote von 90 Prozent. Projektmanager Dr. Jan Gregor stellte diese Woche im Kurhaus in Bayern den Gästen aus Bayern, Südböhmen und Pilsen den Ist-Stand und mögliche Wege zur Zusammenarbeit vor. Vertreter von Politik aus Bayern und Tschechien, Landratsämtern, Stadtverwaltungen und Verkehrsbetrieben erklärten dabei ihren Wunsch zur Zusammenarbeit und zur Mithilfe, damit ein grenzüberschreitender Verkehr mit Bus und Schiene auf die Beine gestellt werden kann. Gleichzeitig wurde das Projektsteuerungsgremium konstituiert und die Arbeit in verschiedenen Projektgruppen gestartet. „15 Monate sind ein ehrgeiziger Zeitraum, aber wir hoffen auf eine Anschlussförderung“, erklärte Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, der als Vorsitzender des Trägervereins die Zusammenkunft leitete. Er erklärte, im Bereich öffentlicher Nahverkehr gebe es erheblichen Nachholbedarf.
Kaspar Sammer, Geschäftsführer der Euregio, erklärte, dass das Projekt aus dem Entwicklungsgutachten für den bayerisch-tschechischen Grenzraum erwachsen ist und seit 1. Juli dieses Jahres noch bis 30. September 2020 läuft. Laut Jürgen Patzke, Vertreter des Staatsministeriums der Finanzen und für Heimat, ist das gemeinsame Ziel, den Grenzraum als Zukunftsraum weiterzuentwickeln.
Projektmanager Dr. Jan Gregor unterstrich, Ziel ist eine Bestandsaufnahme aller bisherigen Studien, Initiativen und Projekte in diesem Bereich. Ein Netzwerk soll aufgebaut und Konzepte erarbeitet werden. Von deutscher Seite wirken die Regierung von Niederbayern, die Landkreise Passau, Deggendorf, Straubing-Bogen, Regen, Freyung, Rottal-Inn und Cham mit sowie die Städte Passau, Straubing und Deggendorf, die regionalen Verkehrsunternehmen für Schiene und Bus sowie die Nationalparkverwaltung. Regelmäßige Treffen im Projektzeitraum sind geplant.
Als Status Quo nannte Dr. Gregor, dass Tschechien inzwischen wieder ein wirtschaftsstarkes Land ist und auch in Sachen Tourismus eine Menge zu bieten hat. Ballungsräume wie Budweis und Pilsen erfahren einen Aufstieg, die UNESCO-Stadt Krumau und die Lipno-Region ein hohes Touristenaufkommen. Nach Bayern pendeln nach wie vor viele Tschechen zur Arbeit, insgesamt arbeiten seit 2011 rund 52.000 Menschen aus Tschechien in Deutschland, davon die Hälfte in Bayern. In Budweis gibt es vier neue Verkehrsträger: Autobahn, Schiene, die Moldau als immer bedeutend werdende Wasserstraße sowie der neue Flughafen in Budweis, der sich gerade in der Testphase befindet. Herausforderung ist nun, eine wechselseitige, regionale und umweltfreundliche Beförderung zwischen Tschechien und Bayern zu organisieren. Bislang gibt es nur einige wenige Verbindungen, die teilweise mehrmaliges Umsteigen erfolgen und weitaus länger dauern als eine Autofahrt. Darauf muss aufgebaut werden. Was vor allem fehlt, ist eine direkte Verbindung z.B. von Passau nach Budweis oder nach Pilsen. Meistens sind laut Projektmanager private Verkehrsunternehmen aktiv, vor allem aus Tschechien. Meistens handelt es sich um isolierte Verbindungen.
In der Diskussion unterstrichen alle Akteure aus Ämtern und Verkehrsunternehmen, dass sie dazu beitragen möchten, so einen grenzüberschreitenden ÖPNV aufzubauen. „Für die Entwicklung der Region spielt das ÖNPV-Angebot eine nicht zu unterschätzende Rolle. Es geht einerseits um die grenzüberschreitenden Verbindungen, die von Arbeitnehmern genutzt werden. Andererseits ist der immer weiter zunehmende touristische Verkehr von wachsender Bedeutung. Ich hoffe sehr, dass wir mit dem heute gestarteten Projekt sichtbare Verbesserungen erzielen können“, sagte Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich.
Freyung-Grafenaus Landrat Sebastian Gruber unterstrich: „Die Nutzung von öffentlichen Verkehrsangeboten wird zunehmend an Bedeutung gewinnen. Dazu zählen nicht nur Verbindungen innerhalb Bayerns, sondern auch Grenzüberschreitende. Europa, in unserer Region im Besonderen Bayern und Tschechien, kann nur zusammenwachsen, wenn es für die Wirtschaft, den Tourismus und den Fremdenverkehr attraktive Angebote gibt.
Das Projekt hat sich dieses wichtige Ziel zur Aufgabe gesetzt.“
Regens stellvertretender Landrat Willi Killinger erklärte: „Das Projektsteuerungsgremium ist ein Schritt in die richtige Richtung. Herzlichen Dank an den Bezirkstagspräsidenten, der sich dafür eingesetzt hat, an das Ministerium und an die Regierung von Niederbayern, dass dies nun möglich ist. Rund um den Nationalpark gibt es viele Berührungspunkte beider Länder. Der Fahrgast hat es oft nicht leicht, da eine zentrale Anlaufstelle fehlt. Dass dies nun verbessert werden soll, ist begrüßenswert.“
Die einzelnen Arbeitsgruppen starten nun bereits mit der Projektarbeit. „Wir stehen durchaus unter Zeitdruck. Das Steuerungsgremium soll im September tagen, die Zeit bis dahin wollen wir intensiv durch interne Vorarbeit nutzen“, gab Kaspar Sammer die Marschrichtung vor.
Ministerialvertreter Jürgen Patzke erklärte: „Wir haben nun nicht nur Geld, sondern auch Schwung -und den wollen wir nutzen.“

- mbs -

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