Fred Schell referiert vor GEW-Mitgliedern über Bildung zu Zeiten der Digitalisierung

v.l.: Kreisvorsitzender Karlheinz Unfried, GEW Niederbayern Chef Alfons Kitzinger, GEW Bildungsbeauftragter Fred Schell (Foto: SPD-Landshut)v.l.: Kreisvorsitzender Karlheinz Unfried, GEW Niederbayern Chef Alfons Kitzinger, GEW Bildungsbeauftragter Fred Schell (Foto: SPD-Landshut)Am vergangenen Donnerstag, begrüßt GEW Kreisvorsitzender Karlheinz Unfried Fred Schell im DGB-Haus Landshut vor Interessierten aus Bildung und Erziehung zum Thema Herausforderungen der digitalen Gesellschaft und ihrer Auswirkungen auf die Bildung. Versiert und kurzweilig erläuterte Schell zunächst die aktuellen Entwicklungen im Bereich Digitalisierung. Dabei stellte sich heraus, dass zwar der Begriff in aller Munde ist, jedoch kaum jemand konkret weiß, was sich im Einzelnen hinter Digitalisierung verbirgt. Der allseits diskutierte flächendeckende Ausbau des 5G-Netzes beispielsweise stellt lediglich die Spitze des digitalen Eisbergs dar, lässt aber bereits gut erkennen, dass Deutschland sich im Bereich Zukunftstechnologien von anderen Ländern, vorwiegend den USA und China, den Rang hat ablaufen lassen. Schell sprach über Bereiche wie Augmented Reality, also die erweiterte, computergestützte Realität, die bereits für Simulatoren in Luft- und Raumfahrt Verwendung findet, aber auch ganz alltäglich die Kommentare der Fußball-Berichterstattung begleitet. Virtual Reality, Künstliche Intelligenz und natürlich Big Data waren die weiteren Themenpunkte. Am Ende läuft das digitale Streben doch auf den einen Marktzweck hinaus: möglichst viele, möglichst detaillierte Daten über die Benutzer zu sammeln, um ihnen mehr und perfekt auf sie zugeschnittene Angebote unterbreiten zu können. Weltweit agierende Großkonzerne wie Google, Microsoft und Amazon streben mit ihrer Entwicklung und Forschung im Bereich Digitalisierung selbstverständlich in allererster Linie die Gewinnmaximierung an. Wir leben bereits heute in einer Art Digitalkapitalismus, so Schell.
Im zweiten Teil seines Vortrags ging Schell denn auch auf die Chancen und Risiken dieser Entwicklungen ein. Hierbei hatte er vor allem den Arbeitsmarkt im Blick. Zweifellos lässt sich bereits heute feststellen, dass Arbeitsplätze in einfachen Beschäftigungsebenen zugunsten von Robotern und Computern weggefallen sind, während die neu entstandenen Jobs besonders ausgebildetes und flexibles Fachpersonal verlangen. Diese Entwicklung wird in Zukunft zu einem noch größeren Mismatch zwischen Fachkräftemangel einerseits und einer Stagnation der Arbeitslosenzahlen andererseits führen, erklärte Schell, da für niederqualifizierte Arbeitskräfte zunehmen weniger Einsatzmöglichkeiten bestehen werden.
Hierin sieht Schell die Hauptaufgabe der Bildung in Zukunft. Er stellte dar, dass es zunehmend weniger um die reine Wissensvermittlung gehen werde, da Wissen schon heute jederzeit und in unbegrenzter Fülle für jeden zur Verfügung steht. Was den Menschen von den künstlichen Intelligenzen nach wie vor unterscheide, sei die Verarbeitung von Informationen und die Schlussfolgerungen, die er daraus ziehen könne. Aufgabe für Politik und Gesellschaft müsse es daher künftig sein, sich einer humanen Digitalisierung zu verschreiben und steuernd einzugreifen, in dem Entwicklungen, die dem Menschen zugute kommen, gefördert, solche, die ihm schaden bekämpft würden. Auch die Gewerkschaften nahm Schell an dieser Stelle in die Pflicht, sich aktiv an der Gestaltung der digitalen Zukunft zu beteiligen.
Nach dem ungefähr zweistündigen Vortrag lud Schell die Anwesenden noch zu einer Diskussionsrunde ein, bei der auch die gesundheitlichen Aspekte zur Sprache kamen. GEW-Mitglied Roswitha Keil äußerte Bedauern darüber, dass die zunehmende Digitalisierung Handwerkskunst und Fingerfertigkeit irgendwann völlig ersetzt haben werde. Schell warb aber bei aller gebotenen Vorsicht, gerade auch im Hinblick auf die noch gar nicht absehbaren Folgen für Gesundheit, Kultur und Gesellschaft, dafür, sich besonders als Gewerkschaft für Erziehung und Bildung die heranwachsenden Generationen nicht mit den technischen Möglichkeiten und Gefahren allein zu lassen. GEW Vorsitzender Karlheinz Unfried unterstrich zum Abschluß der Veranstaltung den Auftrag und die Pflicht von Lehrerinnen und Lehrern die Kompetenzen zu vermitteln, die junge Menschen für einen sinnstiftenden Umgang mit den medialen Möglichkeiten heute und in Zukunft benötigen.
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