Am Freitag wurde der Erweiterungsbau der Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Bezirkskrankenhaus Landshut feierlich eingeweiht. Zahlreiche Repräsentanten aus Politik sowie sozialen und medizinischen Institutionen waren der Einladung von Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich gefolgt.

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Die Fallzahlen psychischer Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen steigen. „Wir dürfen die Jüngsten unter uns mit ihren Problemen nicht alleine lassen“, hob Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich bei seiner Begrüßung hervor. Es freue ihn deshalb, dass sich der Bezirk Niederbayern gerade im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie in den letzten 25 Jahren gut entwickelt habe. Trotz der Einrichtung ambulanter und teilstationärer Behandlungsangebote an den Standorten Passau und Deggendorf wuchs der Bedarf an stationären Plätzen aber in den vergangenen Jahren weiter.

Mit der Erweiterung der Kinder- und Jugendpsychiatrie um 12 Plätze stehen nun insgesamt 44 Betten am Bezirkskrankenhaus Landshut zur Verfügung. Einzigartig in Niederbayern ist der Bereich für Intensiv- und Suchtbehandlung. „Das Mutterhaus der niederbayerischen Kinder- und Jugendpsychiatrie ist derzeit gut aufgestellt“, so der Bezirkstagspräsident. Die Versorgung ganz Niederbayerns von einem Standort aus sei aber langfristig nicht zufriedenstellend möglich. Deshalb sind dort, wo keine niedergelassenen Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie vor Ort sind, weitere ambulante Außenstellen geplant. Zudem sollen ab 2021 mit der Erweiterung des Bezirkskrankenhauses Passau zusätzliche stationäre Behandlungsplätze geschaffen werden.

Dass der Freistaat Bayern dies gerne unterstütze, versicherte Ministerialdirektorin Ruth Nowak vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, die in Vertretung von Ministerin Melanie Huml zur gelungenen Erweiterung gratulierte. Die bayerischen Bezirke seien bei der psychiatrischen Versorgung bereits vor Jahren vorgeprescht. Mittlerweile, so Nowak, sei dieses bundesweite Problem anerkannt. Sie blickte optimistisch in die Zukunft, was künftige Investitionen in dem Bereich betrifft. Vor allem die nächste Baumaßnahme in Passau werde das Ministerium gerne wieder fördern und begleiten.

Dr. Matthias von Aster, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Bezirkskrankenhaus Landshut, erläuterte in seinem Grußwort die besonderen Herausforderungen an die Gestaltung eines Gebäudes, das der Heilung von verletzten Kinderseelen förderlich sein muss. „Von herkömmlicher Krankenhausarchitektur unterscheiden sich die Anforderungen unseres Fachgebietes erheblich“, so Dr. von Aster. Der ärztliche Direktor des Bezirkskrankenhauses Prof. Hermann Spießl dankte allen an Planung und Bau Beteiligten und hob insbesondere das persönliche Engagement von Dr. von Aster hervor. Architekt Udo Lemke von Beeg Lemke Architekten, München, beleuchtete anschließend das Gestaltungskonzept des Neubaus sowie der modernisierten Bestandsräume im Detail.

Wie passend der 29. September als Einweihungstermin gewählt wurde, freute Pfarrer Hartmut Grosch, der zusammen mit Diakon Reinhold Lechinger den geistlichen Teil des Festakts gestaltete. Die Kirche gedenkt an diesem Tag den drei Erzengeln Michael, Gabriel und Raphael – letzterer bedeute übersetzt „Gott heilt“. Und so baten die Anwesenden gemeinsam um den Segen für die Menschen, die in der Kinder- und Jugendpsychiatrie tätig sind und ganz besonders für die jungen Patienten.

Mit einem Rundgang durch die Räumlichkeiten und zahlreichen Gesprächen über künftige Planungen klang die Veranstaltung schließlich aus.

Hintergrund:
Im September 2013 beschloss der Bezirksausschuss die Erweiterung um zwölf Betten und die Sanierung der kinder- und jugendpsychiatrischen Einrichtung in Landshut. Im März 2014 wurde die erste Bauphase mit dem Anbau eingeleitet, in Bauphase 2 und 3 wurden Umbau- und Modernisierungsarbeiten von bereits vorhandenen Räumen der Kinder- und Jugendpsychiatrie vorgenommen. Die vierte Bauphase beinhaltete die Modernisierung des Instituts für schulische und psychosoziale Rehabilitation, kurz ISPR, und seine Erweiterung von acht auf 16 Plätze sowie der Schule für Kranke von 48 auf 60 Plätze. Insgesamt stehen nun 44 Betten zur Verfügung: Zwei Stationen mit je zwölf Betten für Jugendliche, eine Station mit acht Betten für Kinder und eine Station mit zwölf Betten für die Intensiv- und Suchtbehandlung als zusammenhängender Bereich. Die Kosten für alle Maßnahmen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Bezirkskrankenhaus Landshut betragen rund 13.5 Millionen Euro.

– ml –