Wirtschaftliche Kooperation im Mittelpunkt der Unternehmensbörse in Klattau - Auch politisch kommt Bewegung in die Europaregion Donau Moldau

vertreter ndb boehmen pr

Wer sich bewegt, bewegt etwas. Dieser Satz wurde bei der ersten Bayerisch-Tschechischen Unternehmensbörse am Mittwochnachmittag zwar nicht gesagt. Stattdessen prangte er als Slogan einer Firma aus Grafenau auf einem Banner neben der Bühne im Kulturhaus Klattau.

Bewegt hat sich aber in der Tat an diesem Tag etwas - und zwar in Richtung wirtschaftliche Zusammenarbeit über Landesgrenzen hinweg. Nachdem im April dieses Jahres bereits in Bayerisch Eisenstein ein sehr erfolgreicher „Bayerisch-Tschechische Unternehmertag“ stattfand, wollten die Veranstalter, Europaregion Donau Moldau (EDM) und Niederbayern-Forum in Kooperation mit den Wirtschaftskammern der Region, an den Erfolg anknüpfen und die aufkommende Dynamik am Leben halten. Die Unternehmensbörse mit Schwerpunkt Maschinenbau und Elektrotechnik sollte Firmen aus diesen Branchen als Plattform zum persönlichen Kennenlernen und Kontakte knüpfen dienen. Knapp 30 Firmen und Hochschulen präsentierten sich und ihre Produkte, insgesamt kamen 150 Gäste und damit weit mehr als sich die Veranstalter im Vorfeld erhofft hatten.
„Lassen Sie uns durch gelebte Kooperation unseren gemeinsamen Wirtschafts- und Lebensraum zukunftsfähig gestalten und weiterentwickeln“, so Dr. Olaf Heinrich, Bezirkstagspräsident und EDM-Vorsitzender, in seinem Grußwort.

„Die Zukunft der EU wird in den Grenzregionen entschieden“
Wie bedeutsam die Tschechische Republik als Wirtschaftspartner für Bayern und speziell Niederbayern ist, stellte Jürgen Wallstabe, Vizepräsident der IHK Niederbayern heraus. Seit der Grenzöffnung habe sich die Zusammenarbeit der Wirtschaftsräume stetig positiv entwickelt. War diese früher noch auf die Herstellung vergleichsweise „einfacher“ Vorprodukte ausgerichtet, finde sie heute auf höchstem technischen Niveau statt. „Obwohl es bereits viele Kooperationen gibt, sind längst nicht alle Potenziale ausgeschöpft“, so Wallstabe, der außerdem betonte wie sehr sowohl Niederbayern als auch Tschechien von der EU-Erweiterung profitierten. „Die Zukunft der Europäischen Union, die heute gefährdeter denn je ist, wird sich gerade auch in den Grenzregionen entscheiden.“

Kreishauptmann von Pilsen steht voll hinter der Donau-Moldau-Region
Und da Bewegung nicht nur für Firmen, sondern auch in der Politik von großer Bedeutung ist, wurden die Worte der Direktorin der Regionalen Wirtschaftskammer des Bezirks Pilsen, Radka Trylcová, von den Anwesenden sehr positiv aufgenommen. Sie entschuldigte den Kreishauptmann von Pilsen, ließ aber von ihm ausdrücklich ausrichten, dass er „voll hinter dem Zusammenschluss in der Europaregion Donau Moldau“ stehe. Dies ist vor allem im Hinblick auf die Bemühungen um die Entwicklung der Europaregion hin zu einem möglichen Europäischen Verbund für territorialer Zusammenarbeit (kurz EVTZ) wesentlich. Am heutigen Freitag treffen sich auf Initiative des Europaabgeordneten Manfred Weber in Bayerisch Eisenstein viele Mandatsträger und Vertreter dies- und jenseits der Grenze, um diesen Schritt erneut zu diskutieren.
Für den notwendigen Schwung dazu hat die Veranstaltung in Klattau gesorgt, sowohl was die politische Ebene anbelangt, als auch die wirtschaftliche.

Hintergrund ETVZ:
Ein Europäischer Verbund für territoriale Zusammenarbeit ist eine eigene Rechtsform, die nach europäischem Recht gegründet wird. Eine so organisierte Arbeitsgemeinschaft würde die bisherige Zusammenarbeit in der Europaregion Donau Moldau auf ein neues Niveau heben und sie nachhaltig stärken. Damit würde in Zukunft auch die Möglichkeit geschaffen, dass die Europaregion eigenständig Förderungen aus europäischen Programmen einwerben und so die Dynamik in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit noch mehr intensiviert werden könnte.