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Die ganze Welt kommt nach Frauenau. In liebevoll hergerichteten alten Gemäuern, die einst der Arbeit der Glasmacher ein Dach über dem Kopf boten, befinden sich nun Werkstätten, Ateliers, Brennöfen, Druckerpressen und vieles mehr, mit dem sich Kunst in allen Facetten schaffen lässt. Im Garten pinseln Maler unter alten Bäumen Öl und Acryl auf die Leinwand. Seit 30 Jahren gibt es in der Gemeinde im Landkreis Regen das Bild-Werk, getragen von Ehrenamtlichen, die Künstlern Heimat und Ausbildung geben möchten. Doch im Jubiläumsjahr ist nicht alles eitel Sonnenschein, wie die Verantwortlichen Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich bei einem ausführlichen Besichtigungstermin der weitläufigen Räumlichkeiten erklärten.

BildWerk Frauenau Aug17 pr

„Good to be back“, schön, wieder hier zu sein, sagt einer, der schon oft in Frauenau zu Gast war: David Johnson arbeitet eigentlich beruflich mit Glas, aber er ist auch ein international berühmter Künstler, der sich der Malerei verschrieben hat, und das tut er auch gerade in Frauenau ausgiebig. Er steht vor seiner Leinwand und lässt mit kräftigen Farben den efeubewachsenen Stadel des Bild-Werkes Realität werden. Gerade läuft die Sommerakademie des Bild-Werkes auf Hochtouren, die jährlich von Mai bis September mit vielen Kursangeboten, Workshops und Koordinationsprojekten und einem jahresübergreifenden Kulturprogramm Kunstschaffende aus aller Welt anlockt. Hobbykünstler sind dabei ebenso willkommen wie Profis, wie Vorstandsmitglied Katharina Eisch-Angus, Tochter des weltberühmten Glaskünstlers Erwin Eisch, erklärt: „Wir haben Studenten und Experten ebenso wie Laien.“

Das Bild-Werk Frauenau versteht sich als ein Forum für Glas und Bildende Kunst, bietet ferner eine Bühne für Musik, Kleinkunst und Fantasie und ist ein grenzüberschreitender und internationaler Treffpunkt im Bayerischen Wald, wie Katharina Eisch-Angus und ihr Vorstandskollege Heinz Fischer dem Bezirkstagspräsidenten erklärten. In den Kursen der Internationalen Sommerakademie und weiteren Workshops des Bild-Werk Frauenau steht die künstlerische Arbeit mit Glas im Mittelpunkt, dazu kommen Malerei, Druckgrafik, Skulptur in Keramik, Holz und Bronze bis hin zu Mixed Media, Installation, Animationsfilm, Theater oder Gesang. Die Akademie zieht Künstler und Kunstbegeisterte aus vielen Ländern Ost- und Westeuropas und der Welt an, so die Verantwortlichen, die es Dr. Heinrich ermöglichten, den Kunstschaffenden in den verschiedenen Werkstätten über die Schulter zu schauen.

Zum 30-Jährigen gibt es ein besonderes Programm, doch Eisch-Angus und Fischer machten Dr. Heinrich auch deutlich, mit welchen Problemen das derzeit fast rein ehrenamtlich geführte Bild-Werk zu kämpfen hat. Die Verantwortlichen würden die Institution gerne auf solide, hauptamtliche Basis stellen, doch dazu sind Fördergelder pro Jahr von rund 80.000 Euro nötig. Man hangele sich derzeit von Förderantrag zu Förderantrag und habe keine Planungssicherheit, unterstrich Katharina Eisch-Angus. Derzeit bestünden gute Aussichten, durch eine Münchner Stiftung eine dreijährige Fördersumme von jährlich 60.000 Euro zu bekommen. „Damit wäre uns sehr geholfen, doch wenn wir nun Hauptamtliche einstellen, haben wir Angst, dass sich nach drei Jahren alles wieder zerschlägt.“ Zudem: Die Gebäude seien im Besitz der Glashütte Eisch, die das Areal von heute auf morgen verkaufen können: „Für die am Bahngleis gelegenen Werkstätten haben wir nicht einmal einen Mietvertrag.“ Eine ewige Zitterpartie für die Ehrenamtlichen.

Glas ist identitätsstiftend

Für dem niederbayerischen Bezirkstagspräsidenten ist die jahrhundertealte Glastradition "identitätsstiftend für den ganzen Bayerischen Wald". Deshalb halte er es für eine wichtige Aufgabe, das Handwerk in all seinen Ausprägungen weiterzugeben, so wie dies in den Kursen des Bildwerkes geschehe. "Vor allem aber brauchen wir junge Menschen, die den Mut haben sich selbstständig zu machen und die sich Marktnischen zu erschließen", so Olaf Heinrich.
Der Bezirk unterstützt das Bild-Werk jährlich mit 5.000 Euro aus der Kulturstiftung – ein Tropfen auf dem heißen Stein, war dem Bezirkstagspräsidenten klar. Eine institutionelle Förderung, also Gelder grundsätzlich für die gesamte Einrichtung, sei durch den Bezirk nicht möglich, lediglich eine projektbezogene Förderung, so Dr. Heinrich, der jedoch zusagte, sich an der Suche nach einer Lösung zu beteiligen, um das Bild-Werk dauerhaft auf sichere Beine zu stellen. „Besonders aussichtsreich erscheinen mir dabei Projekte, die darauf abzielen, erfolgreiche Absolventen der Glasfachschule in Zwiesel im Glashandwerk in der Region zu halten“, so der Bezirkstagspräsident. Eisch-Angus und Fischer informierten, hier sei man bereits tätig: Gerade werde das so genannte Glas-Werk gegründet, eine länderübergreifende Initiative für Stipendiaten aus Deutschland, Tschechien und Dänemark, die fit gemacht werden in Theorie, Praxis und Marketing. „Das halte ich für eine gute Idee. Es gilt, Wege auszuloten, wie man das Bild-Werk in den nächsten drei Jahren stabilisieren kann. Denn die Strahlkraft dieser Einrichtung ist bemerkenswert“, so Heinrich.

- eb -