Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich im Gespräch mit der „Fachstelle für Demenz und Pflege Niederbayern“
v.l.: Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, Nadja Limmer, Leiterin der regionalen Fachstelle für Demenz und Pflege am Landshuter Netzwerk, und Jürgen Handschuch, Geschäftsführer des Landshuter Netzwerk e. V. (Foto: Bezirk Niederbayern, Bäter)v.l.: Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, Nadja Limmer, Leiterin der regionalen Fachstelle für Demenz und Pflege am Landshuter Netzwerk, und Jürgen Handschuch, Geschäftsführer des Landshuter Netzwerk e. V. (Foto: Bezirk Niederbayern, Bäter)
Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich besuchte vor kurzem den Geschäftsführer des Landshuter Netzwerk e. V., Jürgen Handschuch, und die Leiterin der regionalen Fachstelle für Demenz und Pflege Niederbayern, Nadja Limmer. Installiert wurde die neue Fachstelle beim Landshuter Netzwerk bereits Anfang April dieses Jahres, finanziert wird sie vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege. Ziel ist es, die Lebensbedingungen von Menschen mit Demenz und ihren häuslich pflegenden Angehörigen zu verbessern. Die Fachstelle ist Bestandteil der 2013 entwickelten „Bayerischen Demenzstrategie“. Im Zentrum dieser Strategie stehen neben den demenzkranken Menschen auch die betreuenden Angehörigen und nahestehende Personen. Zu den Aufgaben der Fachstelle gehören der Auf- bzw. Ausbau von Versorgungsstrukturen und Hilfsangeboten in Niederbayern sowie die Beratung in der Pflege und Angebote zur Unterstützung im Alltag.
„Der Bezirk Niederbayern ist überörtlicher Träger der Sozialhilfe und somit der ‚Hilfe zur Pflege‘. Auch durch das 2020 in Kraft getretene Angehörigenentlastungsgesetz und die Erweiterung der Zuständigkeit auf die Hilfe zur ambulanten Pflege hat der Bezirk ein sehr großes Interesse, dass die Hilfsstrukturen in Niederbayern verbessert werden“, so der Bezirkstagspräsident im Gespräch mit Jürgen Handschuch und Nadja Limmer. „Es besteht großer Bedarf für mehr Anlaufstellen für Betroffene und Angehörige insbesondere in ländlichen Regionen Niederbayerns.“

Beratung von Kommunen
Genau dort sieht Nadja Limmer den Kern ihrer Arbeit: „Wir sind Ansprechpartner für Kommunen und andere Träger, um mehr Unterstützungsangebote und Beratungsstellen zu schaffen. Ich bin froh, dass wir ein wirklich starkes, interdisziplinäres Team haben, das alle Fragen und Beratungsbedarfe ‚bedienen‘ kann“, so die Projektleiterin. Neben der hohen Fachkompetenz, die in der regionalen Fachstelle für Demenz und Pflege Niederbayern versammelt sei, könne man Kommunen bei der Beantragung von Fördermitteln helfen, um Projekte und Angebote zum Thema Demenz und Pflege zu finanzieren. „Wir gehen derzeit auf niederbayerische Kommunen zu und unterstützen sie bei der Planung von neuen Hilfs- und Beratungsangeboten. Wir konnten beispielsweise in den Landkreisen Regen und Landshut bereits konkrete Projekte anstoßen, die demenzkranke Menschen und ihre Angehörigen in Zukunft unterstützen werden. Darüber hinaus werden wir Schulungen unter anderem für Berater anbieten – zurzeit Pandemie-bedingt in Form von Online-Seminaren.“

Besonders wichtig sei auch das ‚Netzwerken‘ – also Verbindungen zu schaffen und einen konstruktiven Austausch zwischen den verschiedenen Trägern, Institutionen, Fachstellen und Beratern anzuregen, so Nadja Limmer. Auf diese Art könnten potentielle Synergien aufgedeckt, Angebote erweitert und verbessert werden. Dazu Bezirkstagspräsident Dr. Heinrich: „Eine möglichst hohe Lebensqualität von erkrankten Menschen und ihren pflegenden Angehörigen zu sichern, muss ein vorrangiges Ziel sein. Dabei spielt es eine entscheidende Rolle, dass pflegende Angehörige rechtzeitig, also noch bevor sie an ihre eigenen Grenzen stoßen, bereit sind, Teile der Betreuung Schritt für Schritt abzugeben und Hilfen anzunehmen.“ Aus diesem Grund müssten Menschen, die demenzkranke Angehörige zuhause pflegen, besser über Unterstützungsangebote der ambulanten Pflege informiert werden wie beispielsweise Hilfen zur Verbesserung des Wohnumfeldes oder zur Weiterführung des Haushaltes. Denn nur, wenn Pflegende die Angebote im Bereich der ambulanten Pflege kennen, könnten sie diese annehmen, um dem Pflegebedürftigen je nach Schweregrad der Erkrankung die bestmögliche Hilfe im familiären Umfeld zukommen zu lassen ohne die eigene Überforderung zu riskieren.

Seniorenpolitische Strategien für die Zukunft
Nach Daten der Kassenärztlichen Vereinigung gibt es derzeit in Niederbayern über 26.000 Menschen mit der Diagnose Demenz – Tendenz steigend, erzählt Nadja Limmer. Man müsse also künftig alle Optionen ausschöpfen, um diesen Menschen zu einem möglichst selbstbestimmten Leben zu verhelfen. „Gerade für Niederbayern ist Demenz und Pflege eine große Herausforderung der Zukunft“, so Dr. Heinrich. „Die Strukturdaten für Niederbayern belegen im Vergleich zu Bayern eine stärkere Alterung der Bevölkerung in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Wir müssen uns also nicht nur verstärkt um die Lebensqualität von Pflegebedürftigen und Angehörigen kümmern, sondern brauchen auch seniorenpolitische Strategien für die Zukunft.“

– sb –