Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen

Bad Abbacher Kurier

AKTUELL KRITISCH NEUTRAL UNVERWECHSELBAR

Michael Fitz: „Des bin i!“

 

Glück muss man in unserem Metier eben auch einmal haben. Und das Glück hatte ich diesmal auf meiner Seite: Michael Fitz, Spross der bekannten Münchner Künstlerfamilie, Schauspieler und Sänger, nahm sich spontan Zeit zu einem „meet & greet“, und das kurz vor einem Auftritt. Ich freute mich. Also keine Starallüren, wie sie ein namhafter Sängerkollege an den Tag legte, der einer Plauderei zwar im Vorfeld zustimmte, dann aber vor seinem Auftritt seine Konzentrationsphase benötigte und da auf keinen Fall gestört werden durfte, sich in der Pause vom ersten Teil seines Auftritts erholen musste und nach seinem Auftritt schlichtweg keine Lust mehr hatte – da hatte es bei mir nicht „Zoom gemacht“.
Genau ...!

Fitz2a
Der erste Eindruck stellt ja bekanntlich die Weichen für das weitere Gespräch. Ich war deshalb – wie eigentlich immer bei meinen Causerien – sehr gespannt. Kaum hatte ich den Raum mit einem „Servus“ betreten, mit dem auch Michael Fitz zurückgrüßte, sprang er, ganz Gentleman, von einem Stuhl auf und streckte mir die Hand entgegen. Ich drückte seine Hand und stellte mich mit „Carmen“ vor, er erwiderte „Fitz“. Oha, schoss es mir durch den Kopf, der Mann geht erst einmal auf Distanz, denn natürlich wusste ich, wer mein Gesprächspartner war. In Künstlerkreisen, in denen ich bereits „Mäuschen spielen durfte“, ging es anfangs gleich viel lockerer zu. „Ich bin die Rosi“ stellte sich mir der Regisseur Marcus H. Rosenmüller vor, mit Stephan Zinner, Kabarettist, Musiker und Schauspieler, war ich sofort beim „Du“, Golo Sturm, Sänger und Gitarrist der Band „Boppin’B“ begrüßte mich mit „Hi, ich bin der Golo.“ und der Isarindianer, Liedermacher Willy Michl, war alles andere als zurückhaltend und streichelte sogar meine Wange. Ich musste mich bei Michael Fitz blitzschnell auf eine ganz andere Strategie einstellen.
Genau ...!

Fitz1a
Ich erklärte Michael Fitz, dass ich mir grundsätzlich keine Fragen für ein Interview überlege, sondern einfach nur plaudern möchte, damit ich mir dann, Puzzleteilchen für Puzzleteilchen, ein Bild über meinen Gesprächspartner zusammenfügen kann. Erstaunte Augen blickten mich an. „Aha!“ Ich fragte mich: „Was geht jetzt hinter seiner Stirn vor?“ Und ich hoffte inständig, dass ich einen Tag erwischt hatte, an dem er „ganz offen“ ist. Denn mir fiel eine Zeile aus seinem Song „Hinter meiner Stirn“ ein, wo es heißt „Heut‘ bin i zu, morgen ganz offen.“
Genau ...!


Fitz3aDoch Michael Fitz war an diesem Abend offen – obwohl ... einmal hatte ich das Gefühl, dass ich nicht nur ins Fettnäpfchen getreten war, sondern auch noch kräftig darin umgerührt hatte: Ich stellte, ganz entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten und als bekennende „Tatort“-Seherin, die Frage, warum er in der Figur als Kriminaloberkommissar Carlo Menzinger aus dem Münchner „Tatort“ ausgestiegen ist. „Ach, hör’nS doch auf, das war 2007 und ist durch die gesamte „Yellow Press“ gegangen.“ Yellow Press? Ich lese keine Erzeugnisse der Regenbogenpresse. Doch mein Einwand brachte mich keinen Schritt weiter, oder doch einen ganz kleinen. „WissnS, ich finde es absurd, dass zwei grauhaarige, in die Jahre gekommenen Kommissare 25-jährigen Verbrechern hinterherlaufen müssen. Einmal sollte es gut sein.“ Hörte ich hier die Angst heraus, sich vor dem Fernsehpublikum lächerlich zu machen? Trotzdem blieben wir beim Genre „Kriminalfilm“, denn so ganz kann es Michael Fitz doch nicht lassen. Denn er ermittelt als Kommissar Hattinger am Chiemsee. Die erste Folge „Hattinger und die kalte Hand“ hatte bereits gute Quoten „und die Wiederholung hatte noch mehr Zuschauer.“, so Fitz. „Die zweite Folge haben wir bereits abgedreht, doch das ZDF hat noch keinen Sendetermin anberaumt.“ Also doch, die Schauspielerei liegt ihm immer noch am Herzen? „Ja, natürlich. Ich spiele Gastrollen in Fernsehfilmen, kürzlich auch in einem Film nach einem Buch von Rosemarie Pilcher. Doch wenn man im Jahr rund 120 Konzerte gibt, wohlgemerkt Clubkonzerte, denn Menschenmassen gehe ich lieber aus dem Weg, dann bleibt für längere Drehs kaum Zeit.“ Die Musik nimmt also einen hohen Stellwert ein? „Im Moment, ja.“, so Fitz. Zwischendurch pickte er, wie er es selber nannte, mal hier, mal da, etwas Wurst, etwas Käse, ein Stück Brez’n von den Catering-Platten. „Doch ich hatte auch Zeiten, in denen ich die Gitarre gar nicht in die Hand nahm, vier Jahre sogar. Ich hatte einen Tonträger auf Hochdeutsch veröffentlicht – und merkte: „Des bin i ned!“ Dann besann ich mich auf meinen muttersprachlichen Dialekt und textete meine Lieder auf Bayerisch und die Lust an der Musik und das Auftreten vor Publikum war plötzlich wieder da. „Des bin i!“ – ist deshalb der authentische Titel seines neuen Albums.
Das Bild, das ich mir vom Sänger und Schauspieler Michael Fitz gemacht habe, lässt sich in einer seiner Liedzeilen, auch aus dem Song „Hinter meiner Stirn“, zusammenfassen: „Imma wieda nauf – imma wieda runter.“
Genau ...!
Und wer sich jetzt fragt, warum immer wieder „Genau ...!“, dem sei erklärt, dass Michael Fitz in seinem Konzert, das sich unserem Treffen anschloss, beim pointierten Anmoderieren der nachfolgenden Lieder zig-mal „Genau ...!“ sagte. Irgendwann habe ich dann aufgehört mitzuzählen, bin aber immer noch am überlegen, ob dieses kleine Wörtchen eine dramaturgische Funktion in seiner Moderation hat oder eine spleenige Eigenart von ihm ist.

Fitz4a

Einen Kommentar verfassen

Als Gast kommentieren

0 Zeichen Beschränkung
Dein Text sollte mehr als 10 Zeichen lang sein
Deine Kommentare erfordern die Moderation durch den Administrator
Nutzungsbedingungen.
  • Keine Kommentare gefunden

Angepinnt

  • Keine Kommentare gefunden

Beliebt

  • Keine Kommentare gefunden
Google Analytics Alternative
Web Analytics